Wann ist der „heiße Abbruch“ eine gute Idee?

Die Welt auf dem Tablett

Immer wieder sitzen Entscheider vor ihren Alternativen, wie das Kaninchen vor der Schlange. Einige sagen sich, „eine Alternative ist immer besser als gar keine Entscheidung treffen.“ Sie lassen ihre inneren Widerstände links liegen und entscheiden einfach.

Ist die Entscheidung dann gut oder ist sie schlecht? Das kann Ihnen weder ich, noch einer der Entscheider sagen. Denn das ist das Grundproblem. Wir wissen nicht, was das sichere Ergebnis ist und selbst wenn wir es wüßten, fehlt uns die Perspektive, es für uns einzuordnen.

Eine einfache Frage, oder?

„Das ist doch einfach!“ Wird jetzt der eine oder andere von Ihnen sagen. „Mehr Geld ist besser, als weniger Geld.“ Also versuchen wir immer die wirtschaftlich attraktivste Alternative zu wählen?

Ein Beispiel

Gut, angenommen, Ihrem Unternehmen geht es schlecht, der Brief mit der Insolvenzmeldung liegt bereits bereit, Sie haben allerdings auch noch private Mittel, die Sie in das Fass ohne Boden, dass sich Ihr Unternehmen nennt, werfen könnten. Wirtschaftlich besonders interessant: Ein heißer Abbruch. Mit dem Geld von der Versicherung könnten Sie ihren Betrieb neu aufbauen, ohne Überkapazitäten und hochmodern. 😮

Welche Rolle spielen andere Aspekte?

Natürlich meinten Sie „nur legale Alternativen“, aber was ich damit aussagen wollte, hat nichts mit Gesetzen zu tun, sondern ihren eigenen Werten. Die wirtschaftlich interessanteste Alternative ist nicht unbedingt die beste.

Dann wäre da noch die Sache mit der Unsicherheit. Was ist schon sicher auf dieser Welt? Mögen Sie sich fragen. Aber wenn ich mir von meinen Entscheidungen etwas erhoffe und es nicht eintritt, war dann die Entscheidung nicht überflüssig?

Besser: Am Ziel und an der Situation orientieren

Meines Erachtens gibt es zwei Aspekte, die für eine Entscheidung eine Rolle spielen sollten. Zum einen die Situation. Im Beispiel die drohende Insolvenz. Zum anderen die langfristige Vision des Unternehmers. Stellt meine Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung dar oder entferne ich mich von meiner Vision? Da sieht sich unser Unternehmer als Mensch mit aufrechtem Gang, der seinen Unternehmertraum lebt, ohne seine Familie in einen Albtraum zu stürzen. Er möchte den Neuanfang, aber bestimmt nicht durch einen heißen Abbruch. Daher schickt er den Brief ab und überlegt sich, wie und wo und mit wessen Geld 😎 er den Neustart machen wird.

Ach so! Die Frage aus der Überschrift soll natürlich auch beantwortet werden: „Nie!“ :-p

2 Kommentare
  1. Mandy
    Mandy sagte:

    „Was ist schon sicher auf dieser Welt?“
    -der Tod

    „Aber wenn ich mir von meinen Entscheidungen etwas erhoffe und es nicht eintritt, war dann die Entscheidung nicht überflüssig?“
    -Langfristige Wirkungen können sich so mannigfach gestalten, dass es teilweise nicht nachvollziehbar ist, auf Grund welcher Entscheidung diese entstehen. Das Erwartete kann also in völlig anderer Gestalt eintreten und trotzdem die gewünschte Wirkung entfalten. Wesentlich ist für mich der Aspekt des „Erhoffens“. Dahinter steht die positive Einstellung zur getroffenen Entscheidung, diese zieht bestenfalls gleich mehrere gute Ereignisse nach sich.

    Der „heiße Abbruch“ kann nie eine gute Idee sein? Aber vielleicht kann er außerhalb der Rationalität (in Situationen die eben gerade diese nicht erfordern) die gefühlt richtige Wahl sein. „Die wirtschaftlich interessanteste Alternative ist nicht unbedingt die beste.“ Genau!

    butterfly effect…

    herzliche Grüsse und einen schönen Tag wünscht,
    Mandy

    Antworten
  2. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz sagte:

    @Mandy: Es geht hier lediglich um die Meßlatte, die wir an unsere Entscheidungen anlegen. Die zentrale Frage ist doch, wie kann ich zum Entscheidungszeitpunkt bereits wissen, dass ich eine gute Entscheidung treffe?
    🙂

    Antworten

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