Entscheidungen sollte ich ohne Zögern treffen, oder?

Copyright IstockphotoKurz vor meinem Urlaub hatte ich mal wieder das Vergnügen, hier in Frankfurt am BJU Business Lunch teilzunehmen. Einer der Unternehmer vertraute mir seine Maxime zum Entscheiden an. „Es ist wichtig, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, darum sind wir Unternehmer und nicht Unterlasser. Und wenn schon Entscheidungen zu treffen sind, dann darf man sie nicht hinauszögern, sonder muss sie schnell treffen.“

In der Tat ist es gut, sein Geschäft voran zu bringen. Wer mit seinen Entscheidungen zu lange wartet, verpasst dabei vielleicht auch die guten Alternativen. Das ist wie mit den potentiellen Ehepartnern. In der heißen Jugend will sich niemand binden, da sind quasi alle Alternativen offen. Warten wir dann zu lange, stellt sich bei dem einen oder anderen Torschusspanik ein. Die gewünschten Partner sind vielleicht nicht verfügbar. So kommt es zur falschen Entscheidung mit dem Ergebnis, dass ca. 40% (!) aller Ehen wieder geschieden werden. Was für ein Drama!

Also ist es besser, Entscheidungen schnell zu treffen? Fast könnte man das glauben, denn viele erfolgreichen Geschäftsleute befolgen genau diese Maxime. Eben habe ich noch damit argumentiert, dass ein zu langes Zögern zu der hohen Scheidungsrate geführt hat. Dummerweise trifft das auch für die schnellen überstürzten Entscheidungen zu.

Meine These: Diese Geschäftsleute sind nicht aufgrund ihrer Entscheidungen erfolgreich, sondern weil sie eben sehr aktiv sind. Sie machen vielleicht mehr Fehler als andere, aber sie machen auch viele Dinge richtig. Sie bewegen viel mehr als die Zauderer und Zögerer.

Jetzt stellen Sie sich einmal vor, ein so aktiver Entscheider würde die Anzahl seiner Fehlentscheidungen reduzieren. Was würde das für ihn bedeuten? Leider weiß das nicht einmal er der Betroffene selbst. Denn wer seine Entscheidungen zu schnell trifft hat gar keine Chance, die Fehlentscheidungen der Vergangenheit zu erkennen. Denn was ist eine Fehlentscheidung? Ist es die falsche Wahl aus den sich bietenden Alternativen? Das kann es mitunter sein.

Häufiger ist allerdings der Fall, dass der Entscheider keine besseren neuen Alternativen geschaffen hat. Für jede Entscheidung gibt es eine schier unendliche Anzahl von Alternativen. Die Kunst ist es, die nötige Zeit und Geduld zu haben, sie aufzudecken. Die Zeit beim Entscheiden ist dann sinnvoll investiert, wenn ich sie dafür einsetze. Denn dann zögere ich nicht, sondern bin aktiv dabei meine Entscheidung zu gestalten.

Menschen wie Bill Gate oder Steve Jobs sind solche gestaltenden Entscheider. Vielleicht gehören Sie auch bald dazu? 🙂

Ein Rat vom Entscheidungscoach

istockphoto.com iStock_000000570969Small.jpgEntscheidungen ziehen sich manchmal hin, wie zäher Kaugummi. Das ist bei schwierigen Entscheidungen verständlich. Schließlich will der Entscheider gut aus der Sache hervorgehen. Wir haben dann die Wahl:

  1. Über das Problem und den Entscheidungsauslöser immer und immer wieder nachdenken und darüber lamentieren
  2. Hypnotisiert auf die sich automatisch anbietenden Alternativen starren und keine Auswahl treffen können
  3. Unabhängig von der Situation einen strukturierten Entscheidungsprozess durchlaufen

Was würden Sie machen? Na ja, die Antwort können wir uns schenken. 🙂 Aber vielleicht kennen Sie trotzdem den einen oder anderen Entscheider, der seine Zeit mit Option 1 oder 2 zubringt. Es ist ja auch nichts falsch daran, die Entscheidungssituation zu analysieren. Den Kaninchenblick auf die Alternativen dagegen können wir uns schenken. 😮 Weiterlesen

Mehr oder weniger Alternativen?

© Slade - FOTOLIADiesen Monat lese ich in dem Beratungsbrief „Simplify Your Life“ wieder Tipps zum besseren Entscheiden. Der Verfasser spricht sich neben anderen Entscheidungstipps dafür aus, die Auswahl an Alternativen einzuschränken. Begründung: Der Entscheider würde sich damit überfordern und er wäre dann wie gelähmt. 😯

Wenn ich solche sog. „Hilfen“ lese, frage ich mich, wer sich da berufen fühlt, Ratschläge zu erteilen. Wenn sich der Entscheider von der Anzahl seiner Handlungsalternativen erschlagen fühlt, liegt das in aller erster Linie daran, dass er nicht weiß, was er will. Das ist also die Ursache. Das Symptom ist die Überforderung durch die vielen Alternativen.

Ich kann die Ursache natürlich ignorieren und mich mit dem Symptom beschäftigen. Dann werde ich vielleicht das Internet meiden und möglichst niemanden fragen, wie ein Problem zu lösen ist. Von den sich dann bietenden wenigen Alternativen ist natürlich kein Entscheider mehr überfordert.:mrgreen:

Kann das sinnvoll sein?

Die Aufgabe eines Entscheiders ist es, Chancen und Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen, die ihn näher an die Realisierung seiner unternehmerischen Ziele bringen. Ob er das gut oder schlecht macht, liegt allein an der Qualität der gewählten Alternativen. Sollte er ständig die falschen Alternativen wählen, bleibt er seinem Ziel so fern, wie die meisten Lotto-Spieler dem großen Jackpot. 😮

Stellen wir uns vor, ein Unternehmen sucht einen Webadministrator. Da der Personalchef sich nicht von den vielen Bewerbungen in einem Metier erschlagen lassen will, von dem er nichts versteht, wendet er sich nur an einen Personalberater.

Dieser leistet für die Besetzung der Telefonarbeitsplätze im Service-Center des Unternehmens gute Arbeit. Leider ist dieser auf die Call-Center-Branche spezialisiert und liefert demzufolge nur zwei Kandidaten, die entfernt die Aufgaben eines Webadministrators erfüllen können.

Was für ein Glück, dass der Filius des Personalchefs jemanden von der Uni kennt, der seit Jahren eine eigene größere Web-Präsenz managed. 😎

Da wird nicht lange gefackelt und der alternative Administrator eingestellt. Einige Monate später klopfen einige nette Damen und Herren in Uniform nicht an die Tür, sondern treten sie vielmehr ein. Denn der gute Webadministrator hat seinen illegalen Glücksspielserver (die große Präsenz) ins Firmennetzwerk integriert, um ihn nebenher warten zu können. Das war peinlich und teuer!

Hätte der Personalchef den falschen Fuffziger eingestellt, wenn professionelle Alternativen zur Verfügung gestanden hätten? Was denken Sie?

Das Spiegelbild von „The Long Tail“

© 3pod - FOTOLIA„Was suchen Sie denn?“

„Wenn ich es sehe, dann werde ich es wissen“, so ein Entscheider auf der Suche nach einer Lösung für ein Organisationsproblem.

Gerade aktuell hat der Marketing Berater Chris Anderson sein Erfolgsbuch „The Long Tail“ in deutscher Übersetzung hierzulande veröffentlicht.

Worum geht es?

Anderson zeigt in dem Buch auf, dass aufgrund der globalen Vernetzung Nischenmärkte so groß werden, dass dadurch viele neue Produkte und Geschäftsideen möglich werden.

Für Diejenigen, die etwas ganz Besonderes anbieten wollen und deren Leistungen nicht an einer Region kleben, öffnen sich durch das Internet also beste Geschäftschancen. Potentielle Kunden auf der anderen Seite des Globus haben plötzlich die Möglichkeit, von Ihnen zu erfahren und natürlich zu kaufen 🙂

Wie üblich sehe ich das Ganze wieder mit der anderen Brille. Ich treffe ja immer wieder auf Entscheider, die mir Ihr Leid klagen, dass sie für ihre Entscheidungen so wenig Alternativen haben.

Meine These: Wenn die Entscheider genau wissen würden, was Sie suchen, dann wäre es fast kein Problem, immer das Passende zu finden. Doch die Gewohnheiten sitzen tief. Immer noch gehen die meisten Entscheider so vor, also gäbe es nur eine streng limitierte Anzahl von Möglichkeiten.

Es wird Zeit für ein Umdenken

Das Spiegelbild von „The Long Tail“ heißt schlichtweg, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, genau das zu finden, was ich persönlich als das Richtige ansehe. Als notwendige Voraussetzung muss ich dann sehr genau definieren können, was ich suche.

Ich nenne das eine gestaltende Entscheidung. Da ich als Entscheider im Vorfeld gestalte, wie meine ideale Lösung aussieht. Je genauer das Bild, desto klarer die Suchparameter und desto wahrscheinlicher der Erfolg. Mag sein, dass es dann nicht mehr heißt „made in Germany“ , aber das sollte sich dann verschmerzen lassen. Im Übrigen gilt das nicht nur für Produkte. Wenn ein Unternehmen in China das gleiche Organisationsproblem bereits gelöst hat, dann würde das dem Unternehmer aus der Anfangspassage bestimmt weiter helfen. 🙂

Hier sehe ich auch ein ideales Feld für das so oft bemühte Crowdsourcing. Denn mittels zahlreicher Agenten überall in der Welt, wird es natürlich viel einfacher, das Gesuchte auch zu finden. Und auch hier wird es wieder ganz wichtig sein, genau beschreiben zu können, was ich als Entscheider suche. 🙂

Mehr zum Thema „The long Tail“:
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Mehr zum Thema Crowdsourcing:
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Entscheidungsfindung auf Deutsch

© Carole Gomez - FOTOLIAIrgendwann in einer Entscheidung, muss ich doch die Vor- und Nachteile der Alternativen gegeneinander abwägen!

So ein Unternehmer in einem sehr angenehmen Gespräch gestern nach unserer Sternstunde für Unternehmer im Forum Aschaffenburg. Die Vorteil-Nachteil-Falle schlägt also wieder zu. An dem Beispiel kann man sehr gut sehen, dass auch wirklich schlaue Leute hin und wieder in Entscheidungsfallen tappen. Meine klassische Definition einer Entscheidungsfalle: Ein Entscheidungsfehler, den der Entscheider nicht als solchen erkennt und daher immer wieder machen wird.

Was ist so schlimm daran, die Vor- und Nachteile seiner Alternativen gegeneinander abzuwägen?

  1. Ein Konstruktionsfehler
    Die Entscheidung beginnt sozusagen vor vollendeten Tatsachen. Der Entscheider hat bereits Alternativen und soll jetzt sagen, welche davon die beste ist. Jeder Depp kann in dieser Situation eine Entscheidung treffen, aber selbst ein Überflieger wird keine gute Entscheidung treffen können. Denn für den Entscheidungsprozess fehlt die Bedarfsermittlung, also was der Entscheider tatsächlich will.
  2. Ein Kuckucksei
    Mit jedem Vor- oder Nachteil, den der Entscheider findet, bildet er ganz unkritisch Entscheidungskriterien. Meine regelmäßigen Leser wissen es bereits: Entscheidungskriterien sind die Währung, mit denen ich meine Alternativen bewerte. Daher sollte ich bei ihrer Definition so vorsichtig und verantwortungsbewusst damit umgehen, wie ehedem die Bundesbank.
  3. Mangel passender Alternativen
    Die Vorteil-Nachteil-Methode sieht keine Alternativenschöpfung vor. Ich gehe ja von den vorhandenen Alternativen aus und vergleiche diese auf Grundlage derer Vor- und Nachteile. Im Grunde ist das auch nachvollziehbar. Meine Entscheidungskriterien geben ja meinen Bedarf wieder. Wenn ich diese nicht bewusst gebildet habe, dann kann ich auch keine neuen bedarfsorientierten Alternativen schaffen.
  4. Keine Priorisierung
    Die Urform der Vorteil-Nachteil-Methode sieht keinerlei Priorisierung der gefundenen Vor-und Nachteile vor. Das heißt, am Ende gewinnt die Alternative, die die meisten Vorteile auf sich vereinen kann. Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Möglichkeit, aus einer Reihe von Menschen Ihren Lebenspartner auszuwählen. Vorteile, die Sie finden konnten sind unter anderem tolles Aussehen, Intelligenz, Stil, Humor, Geld, Liebe, usw. Eine Kandidatin, kann die meisten dieser Kriterien auf sich versammeln. Für eine andere spricht lediglich ein Vorteil, Sie lieben sie. Nach der Vorteil-Nachteil-Methode würden Sie daher diejenige heiraten, die besser aussieht, mehr Stil und mehr Geld. 😯 Es ist zwar schade, dass Sie auf die Liebe verzichten müssen, aber man kann ja nicht alles haben! 😛

Mein Tipp: Nur weil viele Menschen eine Methode anwenden und glauben, dabei gut zu fahren, muss sie noch lange nicht gut sein!

Mehr zum Thema Entscheidungsfallen:

Alles gesunder Menschenverstand
Sie haben keine Wahl
Woran scheitern Entscheidungen als Erstes?
Die Entscheidungsfalle

Alternativen für Edmund

© Klementiev - FOTOLIA

Teil 3 meiner Präkonstruktion, wie Edmund Stoiber sich zu der M-Frage entscheiden könnte.

Teil 1: Die Ausgangssituation
Teil 2: Entscheidungsklarheit für Stoiber

Heute geht es um mögliche Alternativen. Nach dem gestrigen Tag weiß unser virtueller Stoiber, was er wirklich will. Vielleicht ist er damit weiter als der reale Stoiber. Doch das ist Spekulation :-).

Wenn wir uns noch einmal seinen Entscheidungskompass ansehen, dann ist klar, dass für ihn drei Aspekte besonders im Fokus stehen. Das ist zum einen der Erhalt seines politischen Vermächtnis, seine Grundsatztreue und die Sicherung von Einfluss.

Die derzeitige öffentliche Diskussion dreht sich um lediglich zwei Alternativen: Stoiber hält an allen Ämtern und Würden fest und kandidiert 2008 ein weiteres Mal für das Ministerpräsidentenamt oder er zieht sich aus der Politik zurück.

Das ganze ist natürlich eine Entscheidungsfalle. Gute Entscheidungen brauchen zumindest drei Alternativen. Von gestern kennen wir das Ziel der Entscheidung, das wohl auch einige Alternativen ermöglicht: Eine “ordentliche” politische Führung für die CSU und Bayern 🙂

Grundsätzlich hält unser virtueller Stoiber sich selbst für den besten Kandidaten. Allerdings ist Stoiber auch ein Fuchs und diesmal wäre er es, der sich aufzuzwingen versucht und nicht sein alter Feind Theo Waigel.

Daher darf die eigene Kandidatur nicht die einzige Alternative sein.

Bevor er aber über alternative Kandidaten nachdenkt, muss er für sich den zweiten Teil des Problems untersuchen: Was macht er, wenn er nicht mehr Ministerpräsident ist?

A. Seine ursprüngliche und etwas in die Jahre gekommene Idee, Kanzler zu werden würde ihm in der derzeitigen politischen Konstellation nicht gefallen. 🙂

B. Bruder Johannes hat es vorgemacht, er könnte Bundespräsident werden. Zwar hat BP Köhler noch einige Jahre im Amt aber Stoiber hat auch immer seine Geduld und Beharrlichkeit ausgezeichnet. Diese Alternative würde zumindest in die Ämterfolge passen.

C. Eine viel größere Herausforderung wäre es allerdings, die Münchner CSU zu einen und als Oberbürgermeisterkandidat den sehr beliebten SPD-Fürsten Christian Ude zu beerben. Die CSU in München hat schon so viele Führungskräfte der Partei verschlissen, dass jeder von einer Herkules-Tat sprechen würde, gelänge das Kunststück.

D. Die Probleme, die Siemens gerade mit versteckten Kassen, Korruption etc. hat, könnte Stoiber dazu bringen, eine Stiftung für das „saubere“ Unternehmen zu gründen und dieser höchstselbst vorzusitzen. Gemessen an seiner Vita muss ihm das ganze Treiben der Unternehmen in München ein Dorn im Auge sein und ein Anliegen, hier für Ordnung zu sorgen.

E. Er könnte es seinem Parteivetter Mayer-Vorfelder nachmachen und das Vereinspräsidentenamt eines Fußballvereins z.B. bei den Löwen übernehmen. Die Bayern würden wohl eher an Franz festhalten 🙂

F. Er könnte ein Amt in der europäischen Kommission übernehmen, da wird demnächst eine Stelle frei 🙂

G. Er könnte auch das Amt des Parteivorsitzenden ausfüllen, ohne Ministerpräsident zu sein.

Als rein externer Betrachter, den wir mit unserem virtuellen Stoiber darstellen, bleibt uns hier und heute die Schöpfung weiterer beruflicher Alternativen verwehrt. Allerdings stehe ich dem realen Stoiber gerne zu Verfügung, ihn dabei zu unterstützen 🙂

Halten wir fest, seine Alternativen sind jetzt

  1. Nichts ändern, an allem festhalten
  2. Vollrücktritt und in Pension gehen
  3. Teilrücktritt, z.B. als Ministerpräsident, aber nicht als Parteivorsitzender
  4. Vollrücktritt mit neuer beruflicher Vision (A. – G.)

Vermutlich werden Sie diese Alternativen nicht besonders überraschen finden. Das geht mir ähnlich. Nur wäre es albern, einige der sehr kreative Möglichkeiten, die sonst in Zusammenarbeit mit dem Entscheider zustande kommen, hypothetisch zu besprechen. 🙂

Allerdings möchte ich Sie nicht daran hindern, durch Ihre Kommentare weitere Handlungsoptionen Stoibers aufzudecken. Ich werde diese im weiteren Entscheidungsprozess in die Analyse miteinschließen.

Morgen gehe ich der Frage nach, wie sich Stoiber für seine Handlungsalternativen die größtmögliche Unterstützung sichern kann.

Ich will mehr!

© Franz Pfluegl - FOTOLIA

„Ich will mehr!“ Das könnte der Ruf eines Unternehmers sein, der mit seinen Entscheidungsalternativen noch nicht ganz glücklich ist.

Leider sehen das nicht alle so. Oft treffe ich Entscheider in argen Nöten, die ihre Entscheidung immer weiter hinauszögern, weil die Alternativen so bescheiden 🙂 sind. Die Verzögerung tut der Sache im Regelfall nicht gut, denn wenn z.B. Kunden wegen Qualitätsmängeln den Vertrag kündigen oder sogar vor Gericht ziehen, ist Zeit ein Luxus, den wir als Unternehmer nicht haben.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen die Entscheidung schwer fällt, weil die Alternativen sich eher wie die Wahl zwischen einer Wurzelbehandlung beim Zahnarzt und einer „Elektroschocktherapie“ bei einem 3. Welt-Geheimdienst verhalten, sollten Sie bessere Alternativen entwickeln.

Es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall. Die Alternativen sind gut, aber der Entscheider glaubt, dass es noch bessere Möglichkeiten geben muss. Wir wissen ja, das Bessere ist der Feind des Guten 🙂

Theoretisch können wir unendlich an unseren Alternativen basteln und wir werden immer noch was besseres finden können. Wie ich immer wieder feststelle, macht die Jagd danach auch süchtig. 😎
An einem bestimmten Punkt muss es allerdings heißen: Jetzt ist es genug!

Diesen Punkt definiere ich bereits lange vorher. Ich weiß ja, was ich will. Daher kann ich auch sagen, wie eine Alternative beschaffen sein muss, damit sie gut genug ist. Es wird immer bessere Alternativen geben, wenn ich nur hart genug daran arbeite, allerdings muss ich irgendwann meine Entscheidung auf den Weg bringen. Daher sorge ich dafür, dass ich mindestens drei Alternativen habe, die gut genug erscheinen. Wenn mir dann noch weitere einfallen ist das schön, aber ich werde keine Wochen für immer bessere Alternativen investieren, um dann festzustellen, dass meine unternehmerischen Chancen in der Zwischenzeit vertan sind.

Allerdings sollten Sie sich nach der Alternativen-Schöpfung noch Zeit für die Optimierung der einzelnen Alternativen nehmen. Darüber schreibe aber an einem anderen Tag 🙂

Was kostet eine Fehlentscheidung?

© Stephen Coburn - FOTOLIAVor einigen Tagen saß ich mit einem Unternehmer zusammen. Er gewährte mir einen umfangreichen Einblick in sein Geschäft. Er wollte eine Entscheidung über eine Kooperation mit einem größeren Unternehmen treffen.

Er fragte mich: „Was glauben Sie, kostet mich eine Fehlentscheidung?“

Meine übliche Antwort,“Das hängt von den möglichen Alternativen ab“, schien ihn nicht zufrieden zu stellen. Er war der Meinung, dass es einen Betrag X geben muss, der errechnet werden kann.

Als Antwort zeichnete ich ihm eine Skizze dieser Grafik:

Nutzen von Entscheidungen

Stellen Sie sich vor, Sie hätten 5 Alternativen, um das mit der Kooperation angestrebte Ziel anzusteuern. Allerdings kennen Sie davon nur die Alternativen I, II und IV.

Der Nutzen, der bei den verschiedenen Alternativen ensteht ist unterschiedlich. Am besten würden Sie sich wohl mit Alternative I stellen. Am schlechtesten mit Alternative IV, denn der Nutzen ist hier negativ.

Wer jetzt glaubt, die Kosten einer Fehlentscheidung belaufen sich einfach auf den negativen Nutzenwert von Alternative IV, irrt sich gewaltig. Denn Alternativen müssen sich aneinander messen lassen. Daher sind die Kosten einer Fehlentscheidung der Nutzen der besten Alternative abzüglich des Nutzens der schlechtesten Alternative. 😮
Also doch ganz einfach, oder? Leider nein! Denn ich kenne ja die sehr attraktiven Alternativen III und V noch nicht. Alternative V bietet mir den größten Nutzen, daher müsste ich den Unterschied zwischen dieser und der schlechtesten Alternative berechnen.

Milchmädchen lässt grüßen, denn woher wollen Sie wissen, ob es nicht noch viel bessere und schlechtere Alternativen gibt?

Übrigens ist es demnach auch eine Fehlentscheidung, sich für Alternative III zu entscheiden. denn es gibt ja eine bessere Alternative! 😛

Mein Ansatz: Eine Fehlentscheidung kostet uns einen Teil unserer unternehmerischen Chancen. Wie groß dieser Teil ist, kann Ihnen niemand sagen. Allerdings wirkt sich ein dauerhaftes Fehl-Entscheiden wie ein Loch in einem Boot aus. Irgendwann zieht es einen nach unten… 😯

Die entscheidende Kreativität

© letzelnet - FOTOLIA

„Was haben gute Entscheidungen mit Kreativität zu tun?“

Fragte mich ein Dienstleistungsunternehmer. Er war es gewohnt, seine Entscheidungen vornehmlich nach rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu treffen. Kreativität brachte er eher mit wirren Wuschelköpfen und abgedrehten Marketiers in Zusammenhang.

Allerdings sah er bereits seit zwei Jahren kein Land mehr in seinem Unternehmen. Viele seiner Wettbewerber hatten sich besser entwickelt und einige Kunden-Empfehlungen ließen sich seltsamerweise nicht in Aufträge ummünzen.

Er war zunächst wenig überzeugt, dass dies aus schlechten Entscheidungen herrühren könnte. Aber da die ersten zwei Stunden beim Herrn Lietz kostenlos sind, konnte es ja nicht schaden 😉

In der Entscheidungs-Risiko-Analyse (ERA) stellte sich dann heraus, dass unser Dienstleister zwar ein sehr brauchbares Auswahlverfahren für seine Entscheidungsalternativen einsetzte, aber es fehlte ihm an guten Alternativen. 😮

Daher meine Aussage: „Sie brauchen mehr Kreativität in Ihren Entscheidungen!

Wie wollen wir gute Entscheidungen treffen, wenn die Alternativen sich eher wie die Wahl zwischen einer Wurzelbehandlung beim Zahnarzt und einer vielversprechenden Elektroschocktherapie bei einem 3. Welt-Geheimdienst Ihrerer Wahl verhalten? 😯
Daher gehört zum guten Entscheiden auch die eine oder andere Kreativitätsmethode, um richtig gute Alternativen zu finden.

Ich setzte dazu gerne die Osborn-Methode ein (Alex Osborn), die man sich sehr gut über das Kürzel SCAMMPERR merken kann:

Substitute something – läßt sich ein Aspekt ersetzen?
Combine it with something else – läßt es sich mit etwas anderem kombinieren?
Adapt something to it – läßt sich ein oder mehrere Aspekte anpassen?
Magnify or add to it – läßt sich etwas hinzufügen oder ein Aspekt vergrößern?
Modify it – welche Eigenschaften lassen sich umgestalten?
Put it to some other use – kann ich es in einem anderen Kontext einsetzen?
Eliminate something – läßt sich etwas entfernen oder ein Aspekt verkleinern?
Rearrange it – läßt sich die Reihenfolge oder Struktur verändern?
Reverse it – was passiert, wenn ich alles umkehre? Kann die Idee ins Gegenteil verkehrt werden?

Mit etwas Kreativität beim Entscheiden klappts dann auch wieder mit den Alternativen! 😛

Mit Sicherheit unsicheres entscheiden!

Im Auto bei 180 Km/h: Ein trockener Husten erschüttert den Fahrer. In der Bonbon-Box nur noch 3 Stück in den Geschmacksrichtungen Zitrone, Orange und Waldmeister. Der Fahrer haßt Waldmeister und entscheidet sich für Zitrone, wohl wissend, dass der Beifahrer dann Orange nehmen wird und Waldmeister die einzige Lutschgelegenheit bleiben wird. Ein Moment der Unachtsamkeit und das Zitronenbonbon verschwindet unwiderbringlich zwischen den Sitzen. Jetzt bleibt nur der ungeliebte Waldmeistergeschmack 😮
Der Fahrer hatte scheinbar eine sichere Entscheidungssituation. Er hat sogar zutreffend das Verhalten des Bonbon-Konkurrenten richtig eingeschätzt und doch endet er am Ende mit einem unerwünschten Ergebnis. Hat er deshalb eine schlecht Entscheidung getroffen? Er hätte ja zumindest bedenken können, dass das Bonbon auf so ungeschickté Weise verschwinden würde. Wenn der Fahrer nicht gerade an Parkinson leidet, bringt es jedoch wenig, Möglichkeiten mit einer derart geringen Wahrscheinlichkeit in Betracht zu ziehen.

Ich habe einige Entscheider in Unternehmen kennen gelernt, die auch diese sehr unwahrscheinlichen Ereignisse berücksichtigten. Im Ergebnis wurden die Entscheidungen dadurch unnötig herausgezögert. Unsere amerikanischen Kollegen kennen das Eintreten von ganz und gar unwahrscheinlichen Ereignissen „freak accidents“ und würden niemals einen Gedanken daran verschwenden, das zu berücksichtigen. Ich sehe das genauso. Denn es ist jedem klar, dass nichts sicher ist. Wenn Sie sich aber mit jeder Eventualität auseinandersetzen, beeinträchtigt das Íhr Sicherheitsgefühl als Entscheider.

Meine These: Als guter Entscheider wissen Sie zwar, dass es viele Unwägbarkeiten gibt, aber rein emotional fühlen Sie sich sicher. Ein Entscheider widerum, der sich nicht sicher fühlt, wird keine guten Entscheidungen treffen können.

Was machen Sie, wenn Sie sich in einer Entscheidungssituation emotional nicht sicher fühlen? Am besten Sie verbessern zunächst Ihre Informationsbasis. Sie müssen herausfinden, was Sie genau mit der Entscheidung erreichen wollen (Was will ich?). Wenn Sie genau wissen, was Sie wollen und klare Kriterien haben, nach denen Sie Ausschau halten können, geht es im nächsten Schritt an die Alternativen. Wenn ich keine guten Alternativen für die Lösung eines Problems hätte, würde ich mich auch unsicher fühlen. Daher sollten Sie Alternativen schaffen, die Ihre Kriterien im hohen Maße erfüllen. Die Alternativen, die sich Ihnen dabei am Anfang anbieten werden das nur zufällig tun. Für gute Alternativen mussen Sie als Entscheider im Regelfall Arbeit investieren. Was Sie dabei im Einzelnen machen können habe ich bereits in verschiedenen Blog-Einträgen beschrieben.

Ich garantiere Ihnen, wenn Sie genau wissen, was Sie wollen und über eine Anzahl guter Entscheidungsalternativen verfügen, fühlen Sie sich bei Ihren Entscheidungen sicher wie beim Bonbon-Lutschen in Ihrer E-Klasse bei 180 Km/h 🙂