Chinadrache mit Keuchhusten

© lfeichte - Fotolia.comVerschlucksüchtige Minimagneten, Giftstoffe im Katzenfutter, schadstoffbelastete Babylätzchen und mit Bleifarbe lackierte Spielzeugautos. Das ist das Bild, das wir von Produkten aus Fernost in den letzten Wochen via Medien schaurig ins nicht ganz sommerwarme Wohnzimmer geliefert bekommen. 🙁

Wären es nicht samt und sonders renommierte Markenhersteller, wie Mattel, die ihre Produkte  millionenfach zurückrufen, man könnte meinen, hier ist eine konzertierte Aktion am Werk. So aber lass ich ich den Verschwörungstheoretiker in der Ecke verstauben und stelle mir die Frage, wie die Unternehmen damit wohl umgehen?

Vor ein paar Wochen habe ich mir einen neuen PC geleistet, der durch den intelligenten Einsatz von Notebook-Technologie mit maximal 90 Watt wesentlich weniger Strom zieht, als mein vorheriger hochgezüchteter 350 Watt-Bolide. Eine feine Maschine mit einem sehr bekannten Markenschild und  – montiert in China. Mit dabei lag im passenden Design auch eine Tastatur. Da mir das Chinahackbrett zu billig klapperte habe ich es kurzerhand gegen die bereits seit Jahren bewährte Konkurrenz aus Thailand ersetzt. Darüber bin ich jetzt sehr glücklich, denn wer weiß, wieviel Blei, Quecksilber und Umweltgifte so eine Tastatur aus China freisetzen kann? 😮

Leider ist mein Ipod aus China, aber eine Gefahr der Kontamination ist gering, da ich ihn gut in ein Etui eines italienischen Designhauses eingepackt habe. 😈

Aber Spaß beiseite. Wie gerade im FAZ-Net  zu lesen, meint der Leiter Product Management beim TÜV-Süd Andreas Bauer, dass hier ein völlig falscher Eindruck entstehen würde. Auch unter den deutschen Herstellern gebe es schwarze Schafe, die Grenzwerte bewußt ignorieren und gefährliche Produkte auf den Markt bringen. Insgesamt meint Herr Bauer werde heute viel mehr kontrolliert und die Produkte seien dadurch sicherer. 🙂

Das mag richtig sein. Allerdings sollte man nicht vernachlässigen, dass China heute immer noch zu den emerging markets gehört. Produziert wird dort alles unter allen Bedingungen, Hauptsache es zahlt jemand dafür. Daher liegt es natürlich an den Herstellerfirmen, die ihre Produkte in China kaufen oder zusammenbasteln lassen, Grenzwerte, Produktsicherheit und -Qualität einzufordern. Solange die Produktionsstandards in einem sich entwickelnden Land noch nicht unseren eigenen entsprechen, müssen diese quasi dort über die Lastenhefte der Abnehmer importiert werden. Wenn es also zu Rückrufaktionen kommt, liegt das möglicherweise an laxen Anforderungen und Kontrollen von Mattel und Konsorten.

Natürlich werden jetzt wieder die Kassandras und Abschottungsapologeten aufstehen und die Wirtschaft auffordern, keine Produkte aus China mehr zu verkaufen. Zum Glück sind wir davor sicher, denn wie SPON bereits vor Wochen berichtete gibt es, in verschiedenen Bereichen gar keine Alternativen mehr:

Die Verwirklichung der Pläne ist allerdings ein Ding der Unmöglichkeit. Nach einem Bericht der „Los Angeles Times“ ist China in den vergangenen zehn Jahren zum weltweit größten Lieferanten für Geschmacksstoffe und Vitamine geworden – und die finden sich mittlerweile in fast jeder Mahlzeit wieder. Viele Lebensmittelzusätze gibt es in großen Mengen nur noch in China zu kaufen.

Was machen wir uns also Sorgen über Produkte, wie unser Handy, Ipod oder die Tastatur. In der nächsten Eisdiele schmeißt unser Lieblingsitaliener Vanille-Geschmack in seinen Zuber und wir schlecken es dankbar als Eis aus der Waffel. 😉

China ist für viele Unternehmen das Boomland schlechthin. Jeder versucht dort einen Fuß in die Tür zu bekommen. Natürlich wird die Berichterstattung in den nächsten Tagen Auswirkungen auf die Absätze mit Made in China haben. Aber mittel- und langfristig führt vermutlich kein Weg mehr daran vorbei.

Wer heute auf der IFA ein neues HIFI-Wunder betrachtet sagt sich, „da warte ich ein Jahr, dann kriege ich es für die Hälfte“. Das geht nur, weil der Hersteller erst einmal seine Entwicklungskosten hereinspielen will und später die günstigen Produktionskosten an mich als Konsumenten weiter gibt. Würde die gleich Anlage in Europa produziert, würde der Preis allenfalls um 10% sinken. Gleichzeitig entsteht in China mit dem noch bescheiden wachsenden Wohlstand ein gigantischer Markt auch für teure europäische Produkte, die jeder Chinese gerne haben möchte, weil er weiß, dass Qualität und Schadstoffbelastung den hohen europäischen Normen entsprechen.

Kein Grund also, um Angst zu haben, aber merken Sie sich die Hersteller, die ihren Kontrollpflichten nicht nachkommen! 😈

Vorsicht Falle: Job wechseln oder nicht?

© Julián Rovagnati - Fotolia.com

Soll ich wechseln oder nicht?

In der derzeitig günstigen Konjunkturlage fragt sich der eine oder andere, ob er nicht einfach anbeißen soll, wenn ein Headhunter anruft und ein verlockendes Angebot unterbreitet. Ein neuer Job verspricht ja auch einen Schuss Abenteuer, man kann aus dem langweiligen Alltag ausbrechen, bekommt mehr Geld und befreit sich vielleicht aus einer Karrieresackgasse.

Wenn Sie diesen Blog bereits einige Zeit verfolgen, wissen Sie, dass mich diese Frage inhaltlich nicht sonderlich interessiert. Denn für eine gute Entscheidung ist sie schlichtweg falsch. Ich lasse mich dann von der Wahllosfalle einwickeln. 😮

Denn die Frage, „mache ich es oder mache ich es nicht(?)“, ist eine bewußte Verengung des Entscheidungsproblems. Ich schließe damit aus, weitere interessante Alternativen zu betrachten, die mir vielleicht nicht direkt angeboten wurden, aber nichtdestotrotz existieren.

Das eigentliche Entscheidungsproblem ist doch die Frage: „Wo möchte ich die nächsten Jahre meine Arbeitskraft einsetzen?“ Je nach meinen Wertvorstellungen spielen dann Kriterien wie Verantwortungsbereich, Entlohnung, Arbeitsplatzsicherheit, usw. eine Rolle in meiner Entscheidung.

Damit das Ganze Sinn macht, muß ich mir auch eine Reihe von Alternativen erarbeiten, das könnte ich entweder über das Studium von Stellenanzeigen mit anschließender Bewerbung oder durch das Einstellen eines aussagekräftigen Profils in einem Jobportal tun.

Wenn Sie dann verschiedene Alternativen vor sich haben, vergesssen Sie nicht, Ihren derzeitigen Job mit in die Bewertung zu nehmen. Denn was nützt es Ihnen, wenn Sie nach der Umsetzung Ihrer Entscheidung schlechter dastehen als zuvor? 😯

Die Wahllosfalle und andere Entscheidungsfallen können Sie übrigens bald in gedruckter Form nachlesen. 🙂 Mein Buch darüber erscheint am 5. September 🙂 🙂 🙂

Die Vision im Bauch kann keiner sehen

© Liv Friis-larsen - FOTOLIAUnternehmer: „Der weiß einfach nicht, was ich von ihm erwarte!“
Coach: „Was erwarten Sie denn von ihm?“
Unternehmer: „Er soll so entscheiden, wie ich das tun würde“
Manager: „Würde ich ja gerne, aber ich weiß nicht, wie der Chef entscheiden würde“
Coach: „Was fehlt Ihnen dazu?“
Manager: „Ich kenne zwar sein Wertesystem, aber ich weiß nicht, wo das Unternehmen langfristig stehen soll“
Coach: „Gibt es denn eine unternehmerische Vision?“
Unternehmer: „Klar!“
Coach: „Wie sieht diese aus?“
Unternehmer: „Phantastisch! Aber ganz ernsthaft, ich mache das seit Jahrzehnten nach meinem Bauch, niedergeschrieben habe ich das nicht.“

Coach: „Wie kann dann Ihr Manager oder sonst ein Mitarbeiter in Ihrem Sinne entscheiden?“

Es ist nichts falsch daran, seinem Bauchgefühl zu folgen. Aber wenn Sie andere Menschen für Ihre Pläne gewinnen und begeistern, sie mitreißen wollen, dann müssen Sie Ihr Bauchgefühl für andere übersetzen, es sichtbar machen.

Was wäre die Alternative?

Du hast drei Wünsche frei…!

© Stephen Coburn - Fotolia.com

Wer kennt diese Märchen nicht? Der Held rettet das Leben einer guten Fee oder befreit einen Flaschengeist und hat als Belohnung drei Wünsche frei.

Haben Sie sich nicht auch schon einmal gedacht, wie bescheuert wenig durchdacht die angeblichen Helden mit diesen Wünschen umgehen? Vielleicht denken Sie sich, Ihr erster Wunsch wäre doch, noch hundert weitere Wünsche zu haben. Eine Mehrheit würde das sicherlich genauso sehen.

Aber im Märchen werden die ersten beiden Wünsche meistens für Nichtigkeiten, wie eine feine Garderobe verschleudert, damit der Held lernen kann, worauf es im Leben wirklich ankommt. Denn den letzten Wunsch soll er genau dafür ausgeben.

Ich glaube, genau das sollen diese Märchen zeigen. Es kommt nicht darauf an, wieviele Wünsche man frei hat, sondern darauf, dass wir den richtigen Wunsch haben. Und dann reicht genau einer aus.

Wie läßt sich das auf unser Leben übertragen? Wenn ich zu denen gehöre, die sich im Märchen für hunderttausend weitere Freiwünsche entscheiden, weiß ich nicht, was mir wirklich wichtig ist.

Hier im Alltag setzen wir uns dann keine klaren Ziele, sondern hätten nichts dagegen alles Angenehme dieser Welt auf einmal zu haben. So investieren wir uns mal hier und mal da. Am Ende wundern wir uns, dass wir keinen Erfolg haben. Denn wir haben unsere Kräfte total zersplittert. Sie wissen schon, das sind die ersten beiden Wünsche, die daneben gehen 🙂

Höchste Zeit also, dass wir uns für das entscheiden, was uns wirklich wichtig ist! 🙂

Zu diesem Beitrag wurde ich durch Marcel Widmers Beitrag „52 Tipps für ein glückliches und produktives Leben“ in seinem Jobblog inspiriert.

Ein kleiner Helfer im Test – Mach mit!

Entscheidungskompass

Heute ein Beitrag in eigener Sache. Seit dem Redesign dieses Blogs im Juni habe ich in der oberen Linken Ecke einen kleinen Schaukasten, in dem bisher mein Entscheidungskompass zu bewundern ist. Ich wollte dabei einfach mal sehen, wie neugierig der durchschnittliche Besucher ist. Ich habe daher bisher keine Pressearbeit gemacht, um den Entscheidungskompass bekannt zu machen, denn das hätte das Ergebnis verfälscht 🙂

Das Ergebnis: Etwa 10% der regelmäßigen Besucher haben in der Anfangszeit auf den Link zu www.entscheidungskompass.de geklickt. Dieser Wert ist erwartungsgemäß in der Folgezeit sehr stark zurückgegangen auf 2,5% im Juli. Besucher, die mich über Google gefunden haben, klickten dagegen grundsätzlich zu etwa 2% auf das Angebot. Das ist nachvollziehbar, schließlich ist nicht jeder an dem Thema so interessiert, wie meine regelmäßigen Leser. Die Stichprobe umfasste im Monat Juni 23.858 und im Monat Juli 23.006 unique visits.

Testmuster für Blogger 

Nachdem das geklärt ist, werde ich in der kommenden Wochen mit der Pressearbeit für das Werkzeug beginnen. Natürlich möchte ich dabei meinen lieben Mitbloggern auch die Möglichkeit zum Testen verschaffen. Jeder Blogger, der mag, kann sich kurz bei mir über testmuster@entscheiderblog.de melden. In der Mail brauche ich den Link zu Eurem Blog und die Strassenadresse, damit ich Euch den Entscheidungskompass (natürlich kostenlos) zuschicken kann. Damit ist keine Verpflichtung verbunden. Sollte der Entscheidungskompass Euch nicht gefallen, dann könnt Ihr genauso darüber schreiben, wie wenn er Euch begeistert. Angesichts des Abverkaufspreises von 5 Euro inklusive Versand und Märchensteuer geht es bei dem Werkzeug ohnehin nicht ums Geldverdienen. 😐

Ich sehe den Entscheidungskompass eher als eine Art Service an meinen Kunden, bzw. als freundlichen Botschafter bei denjenigen, die das noch nicht sind. 🙂

Das Erfolgsgeheimnis der Macher

© Elvira Schäfer - Fotolia.com 

Irgenwo bei Tony Robbins habe ich einmal gelesen, dass die Erfolgreichen häufiger scheitern als diejenigen, die ihren Erfolg noch suchen. Sie sind deshalb erfolgreicher, weil Sie mehr Dinge in kürzerer Zeit angehen und versuchen umzusetzen als Otto Normalverbraucher. Genau deshalb scheitern sie auch häufiger, denn eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Den besten Beweis finden wir in Manager Magazin Online. Der Journalist Matthias Kremp hat dort die zahllosen Flops der Erfolgsikone Apple aufgezählt.

Als ehemaliger Mac-Anwender und kritischer Beobachter hatte ich die meisten dieser Innovationen längst vergessen. Was bleibt, ist der große Erfolg des einstmaligen Computer-Herstellers. In den letzten Jahren war Apple so erfolgreich, dass ein Gros der Presse bei jeder Produktankündigung euphorisch reagiert. Nach der Ankündigung des IPhones im letzten Jahr hat sich die Apple-Aktie daher nahezu verdoppelt.

Viele Analysten rechneten damit, dass Apple am ersten Tag 500.000 der begehrten Vertreter der neuerfundenen Telefonie (Steve Jobs: Apple ist going to reinvent the phone) verkaufen würde. Eine unmöglich Zahl, da AT&T – der einzige Anbieter des Geräts – einen relativ umständlichen Registrierungsprozess voraussetzte.

Die große Gefahr für Apple: Alle erwarteten das Beste, da konnte die Realität nur noch negativ enttäuschen. Genau das ist auch passiert. Apple hat in den ersten Tagen lediglich zwischen 146.000 und 270.000 Exemplaren (je nach Zahlen von AT&T oder Apple) verkauft.

Der Aktienkurs nahm daraufhin erst einmal einen kleinen Tauchgang im Meer der Tränen. Allerdings nicht für lange, denn die Anleger hatten wohl begriffen, dass ein Premium-Phone dieser Preisklasse bei anderen Herstellern selten auch nur Ansatzweise diese Abverkaufszahlen in so wenigen Tagen erreicht. Apple will von dem Wunderding bis Ende 2008 rund 10 Millionen Stück verkauft haben.

Trotz dieses augenscheinlichen Erfolgs gibt es natürlich auch weiterhin Apple-Flops. Nur inzwischen fällt das kaum jemanden mehr auf. Ich würde zum Beispiel gerne wissen, wie gut sich das inzwischen auch in Deutschland erhältliche I-TV verkauft. Die Set-Top-Box wurde als die Revolution fürs Wohnzimmer angepriesen. Aber ich sehe keine Volksaufläufe oder Fackelzüge, die das bestätigen würden. 😛

Erfolgreich sein, bedeutet also auch immer Mut zum Risiko und unablässig etwas Neues anzuleiern, ohne Angst, dass es schief gehen könnte. Von Apple können wir lernen, dass man durchaus den Mund vollnehmen kann, wenn man schon den nächsten Coup in der Hinterhand hat. Das Gute an Flops ist ja, dass die Leute sie per se nicht wahrnehmen. Wäre es anders, wären es wahrscheinlich auch keine Flops sondern einfach nur mittelmäßig verkaufte Produkte. 🙂

Der einzige Nachteil ist natürlich die viele verbratene Zeit und das verlorene Geld. 😐

Die Kunst ist dafür zu sorgen, dass die Erfolge die Flops um ein Vielfaches wettmachen.

Optimierung oder Wiedervorlage einer vergangenen Fehlentscheidung?

Gestern bei der Sternstunde für Unternehmer in Bensheim:

Teilnehmer: „Was meinen Sie mit Fehlentscheidungen auf Wiedervorlage nehmen? Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, dann kann ich mir überlegen, ob ich mit den Folgen lebe oder das ändern. Da ist kein Automatismus dahinter“.

Meine gestrige Antwort: „Wenn Sie eine Fehlentscheidung treffen, dann kommt diese sehr häufig wieder auf Ihren Schreibtisch. Nehmen wir an, Sie entscheiden sich für eine Anzeigenkampagne in der Annahme, Sie könnten Ihren Kunden damit erreichen. Leider erfüllt sich diese Hoffnung nicht. Dann müssen Sie sich wieder etwas Neues einfallen lassen“.

Teilnehmer:“Das ist doch der normale Optimierungsprozess in jedem Unternehmen. Das nenne ich nicht Wiedervorlage von Fehlentscheidungen“.

Leider sind unsere zehnminütigen Vorträge nicht für Zwischenfragen ausgelegt, daher hier eine tiefer gehende Antwort.

Natürlich optimieren wir in jedem Unternehmen ständig unser Handeln. Auch diese Optimierungen sind am Ende Entscheidungen. Es kommt darauf an, was der Auslöser für diese Entscheidung ist. Für Entscheidungen gibt es nur zwei mögliche Auslöser. Entweder ein Problem oder eine Chance. Beide beziehen sich auf ein bereits festgelegtes Ziel.

Im Beispielfall das Ziel, den Kunden mit meinen Leistungen zu erreichen. Wenn der Kunde von meinen Leistungen nichts erfährt, dann ist das ein Problem. Wenn ich hingegen mir Gedanken über Möglichkeiten mache, das Ziel noch schneller als bisher geplant zu erreichen, dann ist es eine Chance.

Bezogen auf die gestrige Fragestellung bedeutet das, wenn der Entscheidungsauslöser ein Problem ist (Ich erreiche den Kunden gar nicht), dann handelt es sich um die Wiedervorlage einer vergangenen Fehlentscheidung. Wenn ich dagegen eine Chance nutze, dann befinde ich mich bei der von dem Teilnehmer angesprochenen Optimierung.

Entscheidungen sollte ich ohne Zögern treffen, oder?

Copyright IstockphotoKurz vor meinem Urlaub hatte ich mal wieder das Vergnügen, hier in Frankfurt am BJU Business Lunch teilzunehmen. Einer der Unternehmer vertraute mir seine Maxime zum Entscheiden an. „Es ist wichtig, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, darum sind wir Unternehmer und nicht Unterlasser. Und wenn schon Entscheidungen zu treffen sind, dann darf man sie nicht hinauszögern, sonder muss sie schnell treffen.“

In der Tat ist es gut, sein Geschäft voran zu bringen. Wer mit seinen Entscheidungen zu lange wartet, verpasst dabei vielleicht auch die guten Alternativen. Das ist wie mit den potentiellen Ehepartnern. In der heißen Jugend will sich niemand binden, da sind quasi alle Alternativen offen. Warten wir dann zu lange, stellt sich bei dem einen oder anderen Torschusspanik ein. Die gewünschten Partner sind vielleicht nicht verfügbar. So kommt es zur falschen Entscheidung mit dem Ergebnis, dass ca. 40% (!) aller Ehen wieder geschieden werden. Was für ein Drama!

Also ist es besser, Entscheidungen schnell zu treffen? Fast könnte man das glauben, denn viele erfolgreichen Geschäftsleute befolgen genau diese Maxime. Eben habe ich noch damit argumentiert, dass ein zu langes Zögern zu der hohen Scheidungsrate geführt hat. Dummerweise trifft das auch für die schnellen überstürzten Entscheidungen zu.

Meine These: Diese Geschäftsleute sind nicht aufgrund ihrer Entscheidungen erfolgreich, sondern weil sie eben sehr aktiv sind. Sie machen vielleicht mehr Fehler als andere, aber sie machen auch viele Dinge richtig. Sie bewegen viel mehr als die Zauderer und Zögerer.

Jetzt stellen Sie sich einmal vor, ein so aktiver Entscheider würde die Anzahl seiner Fehlentscheidungen reduzieren. Was würde das für ihn bedeuten? Leider weiß das nicht einmal er der Betroffene selbst. Denn wer seine Entscheidungen zu schnell trifft hat gar keine Chance, die Fehlentscheidungen der Vergangenheit zu erkennen. Denn was ist eine Fehlentscheidung? Ist es die falsche Wahl aus den sich bietenden Alternativen? Das kann es mitunter sein.

Häufiger ist allerdings der Fall, dass der Entscheider keine besseren neuen Alternativen geschaffen hat. Für jede Entscheidung gibt es eine schier unendliche Anzahl von Alternativen. Die Kunst ist es, die nötige Zeit und Geduld zu haben, sie aufzudecken. Die Zeit beim Entscheiden ist dann sinnvoll investiert, wenn ich sie dafür einsetze. Denn dann zögere ich nicht, sondern bin aktiv dabei meine Entscheidung zu gestalten.

Menschen wie Bill Gate oder Steve Jobs sind solche gestaltenden Entscheider. Vielleicht gehören Sie auch bald dazu? 🙂

Wieder aus dem Urlaub zurück

Frisch aus einem Kurzurlaub zurück, lasse ich schnell mal die Finger Knacken und versorge Sie, meine lieben Leser wieder mit allerlei Inspiration und Tipps zum Thema „besser entscheiden“.

Wenn Ihnen meine Beiträge gefallen, könnne Sie sich revanchieren, indem Sie mir ihre besten Zitate zum Thema „Entscheidungen treffen“ hinterlassen. Zum Dank gibt’s auch was zu gewinnen. 🙂

Mehr zum Summer Citation Contest 2007 erfahren Sie hier.

Wenn einem der Wind mit voller Wucht ins Gesicht bläst…

Copyright Istockphoto.comDurch Zufall bin gestern auf eine sog. Reality Show gestoßen. Bei „Cheaters“ können mißtrauische Partner ihre vermeintlich treuen Gegenstücke überwachen lassen. So weit so gut. Kommt dabei heraus, dass die große Liebe auf Sand gebaut wurde und die Auftraggeber von ihren Partnern nach Strich und Faden betrogen werden, wird es rustikal. 😛

Denn die Macher der Show konfrontieren den Auftraggeber mit den Beweisen und lassen ihn dann nur wenige Minuten später mit dem untreuen Partner und dessen Liaison aufeinander treffen. Da fliegen dann natürlich die Fetzen! Gut für den Zuschauer – sonst wäre die Sache wohl gar zu langweilig – schlecht für den Betrogenen. Denn in dieser Situation werden bereits die Voraussetzungen für Entscheidungen geschaffen, die dann später, nachdem angeblich Ruhe eingekehrt ist, getroffen werden.

Diese künstliche Situation erinnert mich an viele andere Gelegenheiten, wo Entscheider, denen der Wind mit voller Wucht ins Gesicht bläst plötzlich ihre Entscheidungen treffen. Meist hat ein Mitarbeiter oder Geschäftspartner ihr Vertrauen mißbraucht oder ein Lieferant hat sich nicht an Absprachen gehalten. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Mein Eindruck ist dabei, dass die meisten sich damit beschäftigen, den anderen spüren zu lassen, wie enttäuscht man doch ist. Gelingt das und der andere kriecht zu Kreuze oder ist ebenfalls tief verletzt, dann stellen wir fest, damit ist nichts besser geworden. Im Gegenteil, meistens schaden uns die Entscheidungen, die bei der Gelegenheit gleich zu Tatsachen werden ungeheuer.

Ich behaupte, die wenigsten wissen in der Situation genau, was Sie langfristig wollen, sie werden sich auch nicht nach attraktiven Alternativen umsehen und dass ich mir dabei im Vorfeld die Unterstützung von Mitstreitern gesichert habe, ist so wahrscheinlich, wie vom Blitz getroffen zu werden. 😯

Ich halte es daher mit den preussischen Tugenden. Dort musste man erst einmal eine Nacht darüber schlafen, bis man sich über einen anderen beschweren durfte. Beschwerden helfen uns als Entscheider zwar nicht weiter, aber die Zeit, um darüber zu schlafen schon. Denn wir entscheiden wesentlich besser, wenn wir emotional  zurechnungsfähig sind. 😎

Ja, der Herr Lietz trägt mal wieder Eulen nach Athen, das wissen Sie doch alles. Denn der gesunde Menschenverstand steht uns immer dann zur Verfügung, wenn wir entspannt einen Blogbeitrag lesen. Aber wie ist es, wenn uns jemand bis aufs Messer gereizt hat? Und das aus heiterem Himmel? Wappnen wir uns dagegen, denn es passiert jeden Tag. 😮