Diät für Entscheidungskriterien

© Simone Van Den Berg - FOTOLIA

„Was machen Sie, wenn ein Entscheidungskrierium zehn mal so wichtig ist, wie alle anderen Entscheidungskriterien?“

Fragte mich ein Teilnehmer der gestrigen Sternstunde für Unternehmer beim RheinMain-Network.

Dahinter steht die alte Frage, wie verhalten sich meine Entscheidungskriterien zueinander. Stellen Sie sich vor, Sie haben für Ihr persönliches Zeitmanagement einige Entscheidungskriterien entwickelt:

  • Sinn in der Arbeit erleben
  • Stressfrei arbeiten
  • Zeit für die Familie
  • Umsetzung meiner Ziele
  • Zuverlässigkeit
  • Stillstand vermeiden

Nehmen wir weiter an, gerade der letzte Punkt hat für Sie eine besondere Bedeutung, weil Sie festgestellt haben, dass Sie sich in den letzten zwei Jahren nur im Kreis drehen. Sie erleben ständigen Stillstand. Daher haben Sie beschlossen, dass Sie Stillstand auf keinen Fall weiter zulassen werden.

Wenn Sie auf mit diesen Kriterien eine paarweise Gewichtung vornehmen (wie ich es empfehle), dann würde sich das folgendes Bild ergeben:

Gewichtungsmatrix mit übermächtigem Entscheidungskriterium

Tatsächlich könnte es sein, dass Sie mit dem Gewichtungsergebnis nicht zufrieden sind. Denn so würden Sie trotzdem Aufgaben bearbeiten, die in die Stillstandskategorie fallen. Zum Beispiel dann, wenn ein Kollege Sie dazu überreden will, eine Aufgabe zu übernehmen, die Sie in der Vergangenheit regelmäßig bearbeitet haben und er so an Ihre Zuverlässigkeit appelliert. Wenn der Punkt „Stillstand vermeiden“ gewichtet werden müsste, dann bräuchte er vermutlich eine „50“ als Gewichtung. Nur ergibt sich das aus dem paarweisen Vergleich nicht.

Das muss es auch nicht! 🙂

Denn es gibt eine SuperLeanMean-Diät für Entscheidungskriterien. Wann immer ein Entscheidungskriterium sich gegenüber den anderen als übermächtig erweist (den Messbereich der üblichen Gewichtung verlässt), handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Ausschlusskriterium.

Ausschlusskriterien sind quasi das Casting für meine Entscheidungsalternativen. Wer da nicht besteht, wird für die Entscheidung gar nicht mehr zugelassen. 😯
Wenn dann der besagte Kollege kommt, hat er keine Chance, weil Sie darüber keine Bewertung mehr vornehmen, sondern grundsätzlich keine Aufgaben übernehmen, die in die Stillstandskategorie fallen.

Für die Entscheidung, welche Aufgaben Sie mit welcher Priorität übernehmen haben Sie jetzt ein Kriterium weniger, diese bilden Ihre Präferenzen dann auch richtig ab. 🙂

Gewichtungsmatrix nach der Diät

Jetzt können Sie natürlich sagen, dass der Punkt „Zuverlässigkeit“ Ihnen drei Mal so wichtig ist, wie die „Umsetzung Ihrer Ziele“. Wie könnten Sie damit umgehen?

So einfach, wie verblüffend: Gar nicht! Die meisten Menschen sind ohnehin zunächst überrascht, welche Gewichtungen bei dem paarweisen Vergleich herauskommen.

Wir lassen uns ohne die Fokussierung mittels eines paarweisen Vergleichs häufig von Allgemeinvorstellungen leiten. Danach ist z.B. „Sinn in der Arbeit“ von überragender Bedeutung, genauso wie „stressfreies Arbeiten“ vielleicht sehr ansprechend erscheint.

Mein Tipp: Machen Sie keine Mathematik daraus, sondern machen Sie die Methode zu Ihrem Diener. Wer dagegen zum Sklaven der Methode wird, hat beim Entscheiden schon wieder verloren!

Ohne Unsicherheit und Risiko

Copyright Istockphoto.com

„Was soll das heißen, meine Entscheidung fällt unter Unsicherheit? Ich bin mir ganz bestimmt sicher!“

So ein mittelständischer Unternehmer zu seinem Assistenten, der gerade frisch von der Uni kommt.

Der Unterschied zwischen der Praxis und dem universitären Elfenbeinturm könnte kaum krasser sein als beim Entscheiden.

Als Student vor 13 Jahren war ich in die Fächer Entscheidungstheorie und Spieltheorie geradezu vernarrt. Als junger Berater haben mir zwar die mittelständischen Kunden höflich zugeschaut, wenn ich mit Wahrscheinlichkeiten gerechnet habe, aber sie hätten in ihrem Leben nicht ihre Entscheidungen auf diese Weise getroffen.

Die Geister scheiden sich an dem Thema Eintrittswahrscheinlichkeit. Solange es sich um technische Vorgänge handelt, lassen sich Wahrscheinlichkeiten gut berechnen. Sobald es aber z.B. um ein neues Produkt auf einem noch nicht erschlossenen Markt geht, wird es haarig.

Große Unternehmen beauftragen dafür eine aufwändige Marktforschung, aber der Mittelständler muss hier weitestgehend auf sein Bauchgefühl vertrauen.

Dafür müssen die großen Unternehmen darüber entscheiden, ob sie überhaupt das Geld für die Marktforschung in die Hand nehmen. Wie häufig man sich in Deutschland dagegen entscheidet, können wir an den dt. Entwicklungen von Telefax, MP3-Player und Hybrid-Motor sehen. Den Erfolg haben heute Firmen in anderen Ländern. 🙁

Aber zurück zu unserem Mittelständler. Der ist schnell ein Freund guter Entscheidungsmethoden, sobald die Wahrscheinlichkeitsrechnung außen vor gelassen wird.

Sind seine Entscheidungen deshalb schlechter? Ich behaupte „nein“, denn der Entscheider ist sich ja doch bewußt, dass es immer anders läuft, als geplant.

Und da hat gerade der Mittelstand eine mächtige Waffe: Die Flexibilität. Läuft es anders als geplant, dann wird schnell umgedacht. Ist die Maschine nicht schnell genug auf das neue Produkt umgerüstet, aber die Marketingkampagne läuft schon, dann wird binnen 24 Stunden ein Kooperationspartner einschaltet oder den Kunden vorwitzig mitgeteilt, dass der Bedarf die „derzeitige“ Produktionskapazität übersteigt, oder die Mitarbeiter legen Sonderschichten ein, um das Unmögliche doch noch möglich zu machen, usw.

Diese Flexibilität macht die fehlende Wahrscheinlichkeitsrechung wieder wett bzw. ist dieser auch überlegen. 🙂

Wichtig ist nur, dass ich bei meinen Entscheidungen die drei Kernfragen kläre:

  1. Wie erziele ich Entscheidungsklarheit? (Was will ich wirklich?)
  2. Wie schaffe ich attraktive Entscheidungsalternativen?
  3. Wie sichere ich mir die größtmögliche Unterstützung für die Umsetzung?

Gerade Punkt drei sorgt für die von mir angesprochene Flexibilität. 🙂

Der Blick fürs Wesentliche

© Kutay Tanir - FOTOLIA

Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann sollte sie am Ende meinem Bedarf entsprechen. Niemand wird mir hier ernsthaft widersprechen. Allerdings kann ich mich damit auch ziemlich verrennen.

Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade eine schmerzhafte Erfahrung gemacht, wie den Ausfall eines Lieferanten. Einige Wochen arbeiten Sie unter großem Stress und ständig mit der Angst vor einem Produktionsstop. Gleichzeitig suchen Sie einen neuen langfristigen Lieferanten. Wie würden wohl ihre Entscheidungskriterien aussehen? Meine Vermutung:

  1. Ausfallsicherheit
  2. Zuverlässigkeit
  3. Reputation
  4. Transparenz (bezogen auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens)
  5. Preis

Angenommen, Sie suchen den Lieferanten ohne diese Erfahrung gemacht zu haben, wie sehen dann Ihre Entscheidungskriterien aus? Meine Vermutung:

  1. Qualität
  2. Preis
  3. Erfahrung/Kompetenz
  4. Reputation

Die unterschiedlichen Kriterien führen logischerweise zu unterschiedlichen Entscheidungen.
Natürlich sollten wir aus unseren Erfahrungen lernen. Das macht einen guten Entscheider aus. Wir müssen jedoch dem Drang widerstehen, dass schmerzhafte Erfahrungen die Kontrolle übernehmen und unseren Bedarf dominieren. Denn dann treffen wir Entscheidungen, die wir in wenigen Wochen ganz anders entschieden hätten. 😯
Unseren Entscheidungen fehlt dann die richtungsgebende Wirkung. Wir entscheiden quasi von Fall zu Fall. Daher ist es aus meiner Sicht so wichtig, eine langfristige unternehmerische Vision zu haben. Wenn ich meine Entscheidungen daran orientiere, behalte ich den klaren Blick trotz drängender Probleme 🙂

Den Blick für den Zusammenhang schärfen

© Andrew Bruce - FOTOLIAScott Adams, vielen bekannt als Autor der Dilbert Comics ist ebenfalls ein sehr eifriger Blog-Schreiber. In seinem gestrigen Beitrag stellt er die These auf, dass wir Menschen unsere Welt gerne in Schwarz und Weiß aufteilen. So haben wir oft Schwierigkeiten damit zu entscheiden ob zum Beispiel für ein Auto die Räder oder der Motor wichtiger ist. Natürlich kann ein Auto nur mit beiden Komponenten funktionieren.

Er stellt weiter die Frage, was wichtiger für die Intelligenz ist, das Gehirn oder die Lungen. Da wir ohne Lungen nicht funktionieren, so seine These können wir kaum behaupten, das Gehirn wäre es. Wir brauchen alle Faktoren, die für die Funktion des offensichtlichen Teils notwendig sind. Also auch die Sonne, Sauerstoff, Nahrung, etc.

Auch wenn ich Scott Adams Ausführungen für sich selbst schon faszinierend finde, lege ich dabei doch wieder den Fokus auf mein Grundthema, das Entscheiden.

Gute Entscheidungen verlangen von mir, dass ich das gesamte Umfeld miteinbeziehe. Manche Entscheidung ist allein nur deshalb schwer zu treffen, weil ich mir zu wenig Gedanken gemacht habe, was notwendig, also unverzichtbar ist, um meine Ziele zu erreichen.

Einen solchen Fall hatte ich vor einiger Zeit schon einmal geschildert. Dort hatte der Unternehmer auf seine Kleinserienfertigung aus Kostengründen verzichtet und auf diese Weise auch viele Kunden seiner Großserienfertigung verloren. Denn für diese war die angebotene Kleinserienfertigung ein Kaufargument.

Ganz nebenbei: Es ist schon recht cool, wenn ich hier auf meine eigenen Beispiele verweisen kann, um meinen Beitrag zu unterfüttern. 🙂

Apropos Beispiele: Die sind hier im Blog natürlich immer etwas verkürzt dargestellt. Wenn ich das ganze Entscheidungsumfeld miteinbeziehen würde, wäre meine Artikel mindestens zehnmal so lang. 🙂

Wieder zurück auf Los?

© bg_knight - FOTOLIA
Obwohl wir bei unserer Entscheidung alles richtig machen, kann’s am Ende trotzdem schief gehen. Niemand ist mit einer Kristallkugel auf die Welt gekommen und unsere lieben Mitmenschen sind manchmal auch etwas wankelmütig.

Was ist dann zu tun?

Das fragt sich auch Hubert Pfifferling* (seine Freunde nennen ihn Hupfi), der mit einem neuen Kompagnon einen Online-Music-Shop im Internet aufgemacht hat. Das Geschäft mit weitgehend lokalen Bands, die zunächst nur einer kleinen Zahl von Nutzern bekannt sind, läuft gut. Eine Zeit lang war er allerdings sehr im Zweifel, da sich so gut wie niemand auf die Online-Präsenz des Shops verirrte. Das ist seit einigen Monaten anders. Die Anzahl der Besuche, wie auch die Verkäufe sind von einem Moment auf den Nächsten durch die Decke gegangen! Das Geschäft beginnt, sich selbst zu tragen.
Hupfis Welt ist also in Ordnung – bis heute. Bei einer eher zufälligen Überprüfung der Online-Zugriffe findet er heraus, dass sein „Partner“ einen illegalen Downloadserver mit tausenden von unrechtmäßigen Kopien kommerzieller Music von Alicia Keys bis Robbie Williams betreibt. Über den Server wurden die Nutzer auf den kleinen Shop mit seinem Spezial-Angebot aufmerksam gemacht.

Hupfi ist klar, das kann nur ins Auge gehen. Aber was soll er machen? Im Kooperationsvertrag ist zum Glück festgelegt, dass sein Kompagnon für die Musikauswahl und die Rechte dafür verantwortlich ist. Da er sich auf diesem Feld nicht auskennt, wollte Hupfi hier nicht in ein rechtliches Minenfeld geraten. Sein Partner brachte die Music und er die technischen Voraussetzungen, wie Server, Software usw. ein.

Was soll er nun tun?

Selbst ein Rückzug aus der Partnerschaft garantiert nicht, dass er völlig unbeschadet aus der Sache hervor geht. Auch wenn er strafrechtlich vielleicht unbeschadet bleibt, so werden die Rechteinhaber doch privatrechtlich Regress fordern, sollte das „innovative“ Marketing seines Partners bekannt werden.

Allerdings hat es wohl auch noch keine Anzeige gegeben. Wenn der illegale Downloadserver seinen Dienst jetzt einstellt, würde der Shop durch seine jetzige Kundenbasis weiterwachsen, während die Gefahr der Entdeckung gebannt wäre (Im stillen dankte er seiner Intuition, russische Server für das Unternehmen angemietet zu haben). 😛
Selbst wenn das gut geht, so bleibt doch ein ungutes Gefühl zurück. Zum einen ist Hupfi eine ehrliche Haut und will es auch bleiben, zum anderen kann er (wie sich jetzt zeigt) seinem Partner nicht vertrauen. Ohne Partner gibts aber kein Musikangebot und ohne das keinen Shop. Er würde also seine ursprüngliche Entscheidung rückgängig machen und wieder zurück auf „Los“ gehen.

Auch wenn die meisten nicht ganz so Dramatisches erleben, haben wir das doch alle schon erlebt. Die Frage ist dann, was ist für uns sinnvoll? Jedes Mal, wenn wir eine Entscheidung rückgängig machen, verlieren wir Zeit und Geld. Wobei ich immer wieder feststelle, dass der Zeitfaktor schmerzhafter ist als das Geld. 😮
Ich habe viele Menschen erlebt, die dann sagen, „das war der falsche Weg“ und alles wieder rückgängig machen, genauso gibt’s auch diejenigen, die stoisch an dem eingeschlagenen Weg festhalten, obwohl die Ergebnisse ihnen nicht gefallen.

Aus meiner Sicht ist beides falsch. Es gibt niemals einen Weg zurück. Denn jede Entscheidung schafft für sich eine neue Situation. Regelmäßige Leser meines Blogs kennen natürlich schon die Kontrollelemente von Entscheidungen:

  1. Gewünschte Ergebnisse
  2. Unerwünschte Ergebniss
  3. Status quo Ergebnisse

Diese helfen mir, regelmäßig zu überprüfen, ob der eingeschlagene Weg der Richtige ist. Wenn nicht, gibt es allerdings keinen Weg zurück, sondern ich muss eine neue Entscheidung treffen. Wir brauchen neue Alternativen und eventuell holen wir mehr Informationen über diese ein, bevor wir uns entscheiden 🙂

Wo geht es Ihnen so? Wo läuft es nicht so, wie gewünscht? Wo sollten Sie eine neue Entscheidung treffen?

Entscheidungsklarheit für Stoiber

SanduhrWie wir in meinem gestrigen Beitrag gesehen haben, ist Stoiber in keiner leichten Situation. In meinem Blog versuche ich ohne Parteipolitik und ohne Insiderinformation nach zu gestalten, wie er sich entscheiden könnte.

Wir beschäftigen uns heute mit der Frage, wie Stoiber Entscheidungsklarheit gewinnen kann.

Auf welcher beruflichen Mission befindet sich Stoiber? Also welchen persönlichen Auftrag hat er in seinem Leben aus den ihm zu Verfügung stehenden Talenten und Fähigkeiten abgeleitet. Unter Franz-Josef Strauß war er der unermüdliche Arbeiter, der diesem treu gedient hat. Sein Pflichtgefühl und Arbeitseinsatz war seinen Landsleuten so untypisch, dass er als der bayerische Preuße tituliert wurde. Jemand also, der nicht ganz zur leichten bayerischen Lebensart gehört. Hart arbeiten war nicht das Einzige, was ihn bewegt hat. Als 1993 der damalige Ministerpräsident Max Streibl die CSU in die Amigo-Affäre geführt hatte, war er derjenige mit der weißen Weste, der wieder für Ordnung und vor allen Dingen für ein neues Vertrauen sorgte. Man kann annehmen, dass es seine berufliche Mission war, den bayerischen Laden zu säubern und sauber zu halten.

Seine berufliche Vision, also sein Langfristziel ist sicherlich nicht so selbstlos :-). Denn auch wenn Stoiber zunächst eher eine Beamtenmentalität in die bayerische Staatskanzlei brachte, so war er immer auch sehr ehrgeizig. Es kann ihm nicht einfach gefallen sein, Streibl zu dienen, der es häufig nicht so genau nahm. 😮 Ich denke, seine Vision war es, bayerischer Ministerpräsident zu werden und in seinem Sinne für Ordnung zu sorgen. Vermutlich ist seine heutige Vision nicht so klar. Denn Ministerpräsident ist er seit 13 Jahren und das mit der Ordnung fällt zunehmend schwer, da die Machtposition wohl detailblind macht und die Realität eine ganz eigene wird.

Das Ziel seiner Entscheidung: Eine „ordentliche“ politische Führung für die CSU und Bayern

Entscheidungsauslöser: CSU-Basis und Stoibers Feinde machen Front gegen eine erneute Kandidatur

Problemlösende Frage: Wie kann ich als strahlender Sieger aus dieser Situation hervorgehen und meinen Einfluss erhalten?

Bei der Zielformulierung sollte Stoiber nicht dem inneren Druck nachgeben. Denn innerlich schreit natürlich alles in ihm, die für ihn schreckliche Situation einfach nur zu beenden. Mit dem Ende fehlt es allerdings an der Richtung für seine Entscheidung.

Wenn Stoiber in seinem Entscheidungsprozess die Kontrolle behalten will, muss er wissen, welche Konsequenzen sich aus seiner Entscheidung ergeben sollen.

  • Sein politisches Vermächtnis bleibt erhalten- Stoiber ist 64 Jahre alt. Er hat seiner Partei große Erfolge ermöglicht und er hat sie vor der Amigo-Affäre bewahrt.
  • Seine Politik wird fortgesetzt und die ehemaligen „Amigos“ bleiben draußen. 🙂
  • Er ist einflussreich
  • Sein Ruf darf nicht beschädigt werden
  • Er hat eine anspruchsvolle Aufgabe und kann sich darin erfolgreich behaupten
  • Er bestimmt selbst seinen Ausstieg aus der Politik
  • Er bleibt seinen Grundsätzen treu.

Diese Konsequenzen stellen seinen Bedarf dar. Daraus leiten wir seine Entscheidungskriterien ab und gewichten diese über einen paarweisen Vergleich der Kriterien A bis E:

Gewichtungsmatrix

Damit ist sein Entscheidungskompass fest gelegt und er weiß, worauf es ihm ankommt. Einen Mangel hat meine Überlegung natürlich 🙂 Ob Stoiber von denselben Motiven geleitet wird, wie in der Vergangenheit oder einfach von dem Gedanken „die nehmen mir das nicht weg“, kann ich leider nicht beurteilen. Im letzten Fall würde sein Entscheidungsverhalten erheblich destruktiver sein. Allerdings enthält sein Entscheidungskompass auch nicht mehr das Wohl der CSU. Denn das wird bei den Querelen der jüngsten Zeit nicht unbedingt in seinem Fokus stehen 🙂

Morgen mache ich mir Gedanken über seine potentiell attraktiven Alternativen, die er zur Verfügung hat.

Update:

Ganz offensichtlich nähert Stoiber sich langsam einer Entscheidung, die durchaus seinem hypothetischen Entscheidungskompass entspricht.

…Stoiber trat nach Teilnehmerangaben zugleich dem Eindruck entgegen, dass er an seinem Stuhl klebe. Er habe zugesagt, eine gemeinsame Lösung anzustreben. Er müsse nicht erneut kandidieren, wolle dies aber tun...

via Faz-Net

Dem Fachmann in die Karten schauen

© kml - FOTOLIAIm Entscheidungsprozess sind wir häufig darauf angewiesen, dass Fachleute uns Ihre Informationen und Wahrnehmungen zu Verfügung stellen.

Zum Beispiel ging es mir so, nachdem ich meine Entscheidungskriterien für die Auswahl des richtigen Verlags für mich festgelegt hatte. Ich habe zwar eine große Menge von Büchern von den verschiedensten Verlagen. Daher habe ich auch meine Meinung, wo zum Beispiel die interessantesten Bücher erscheinen. Darauf konnte ich mich aber in diesem Fall nicht verlassen. Denn dummerweise bin ich nicht meine Zielgruppe. Der Wurm muss schließlich dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. 🙂 Dabei konnte ich mich auf meine Literaturagentin verlassen, die den Buchbetrieb eben viel besser kennt.

Allerdings ist es nicht immer so leicht, einen Experten zu finden, der die fehlenden Informationen liefern kann. Noch viel schwieriger ist es, dabei auch brauchbare Aussagen zu bekommen.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, warum Fachleute unbrauchbare Aussagen liefern könnten.

1. Sie haben ein Interesse daran, unsere Entscheidung zu beeinflussen.

2. Der Fachmann hat keine Ahnung, will das aber nicht zugeben 😈

Beim ersten Fall kommt es aufs Timing an. Denn wenn Sie den Fachmann vorab fragen, zu welcher Entscheidung er Ihnen ganz allgemein raten würde, wird er ihnen gerne seinen Favoriten liefern oder aber sagen, dass er das nicht sagen könne. Beide Aussagen sind extrem nützlich für Sie. Denn wenn er einen Favoriten hat, wissen Sie danach seine weiteren fachlichen Aussagen einzuschätzen. Wenn er dagegen unbeeinflusst ist, um so besser!

Wenn der Fachmann seine Ahnungslosigkeit verstecken möchte, wird es schwer. Denn Sie müssen sich bis zu einem gewissen Grad auf das Thema einlassen. Die beste Frage ist in diesem Fall, dass Sie nach der Grundlage fragen, auf der unser Fachmann seine Aussage begründet. Kommt dann ein schlaffes „meine langjährige Berufserfahrung sagt mir das“, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie eben diese vergessen können 🙂

Leider ist es meistens nicht so einfach. Denn der Fachmann wird Ihnen gerne seine Fachvokabeln um die Ohren schießen, dass es ein wahre Pracht ist. Machen Sie in dem Fall nicht den gleichen Fehler wie der sog. Fachmann und täuschen vor, sie wüssten wovon er spricht. Stattdessen sollten Sie ihm erklären, dass Sie kein Wort verstanden haben und er das Ganze bitte schön so erklären soll, dass auch der Laie verstehen kann, worum es geht 🙂

Ich habe genau so einen Fall vor einigen Wochen miterlebt und am Ende tat mir der gute „Fachmann“ richtig leid. Denn mein Kunde hatte ihn von der satten Arroganz des unantastbaren Experten über den argumentieren Fachidioten bis hin zum stammelnden Nichts befördert. Unser Experte hat am Ende wortlos den Raum verlassen. Ich habe selten so viel an einem Tag gelacht gelernt, wie dort 😛

Brauche ich mehr Informationen?

© iwka - FOTOLIAWie viel Information brauche ich, um eine gute Entscheidung treffen zu können?

Ich glaube, diese Frage bewegt viele Entscheider. Das Wissen unserer Gesellschaft verdoppelt sich derzeit alle drei Jahre. Wissen ist allerdings nicht mit Information gleichzusetzen. Wir können aber wohl annehmen, dass die Wachstumsrate der verfügbaren Informationen mindestens gleich hoch ist. Das heißt, ich kann mich heute so schnell und umfassend über meine Entscheidung informieren, wie nie zuvor.

Haben Sie bemerkt, dass heute Entscheidungen schneller getroffen werden, als vielleicht vor 10 Jahren? Nein? Ich auch nicht. Obwohl Internet und Online-Datenbanken selbst die komplexesten Zusammenhänge binnen Stunden aufdecken können.

Das Problem ist m.E. das Überangebot. Da es so viele Informationen zu einem Thema gibt, wissen die Rechercheure, dass es jederzeit einen gewaltigen Schatz zu heben gibt. Damit steigt der Druck, dass evtl. entscheidende Informationen nicht berücksichtigt werden, obwohl sie zum Entscheidungszeitpunkt verfügbar gewesen wären.

Also sammeln unsere Informations-Eichhörnchen eifrig weiter und verschieben die Entscheidung.

Wenn wir ehrlich sind und das können wir hier im Blog ;-), dann ist die Hauptmotivation für die Sammelwut die gute alte Angst.

Wie viel Information brauche ich tatsächlich?

Es kommt darauf an. Denn beim Entscheiden können wir zwei unterschiedliche Situationen unterscheiden.

  1. Sie treffen eine Entscheidung in einem vertrauten Bereich
  2. Sie treffen eine Entscheidung in einem unvertrauten Bereich, Ihrem persönlichen Niemandsland.

Im ersten Fall ist es einfach. Sie brauchen schlichtweg genügend Informationen, um die Alternativen bezüglich Ihrer Entscheidungskriterien bewerten zu können. Da Sie mit Ihren Entscheidungskriterien vorab festgestellt haben, was für Ihre Entscheidung wichtig ist, sind alle Informationen die darüber hinaus gehen „nett“, aber ohne Mehrwert.

Die natürliche Grenze für den Informationsbedarf bei Entscheidungen stellen also Ihre Entscheidungskriterien dar.

Im zweiten Fall ist die Nuss härter. Denn Ihre fehlende Erfahrung könnte verhindern, dass Sie wichtige Aspekte der Entscheidung in Entscheidungskriterien verpacken. In so einem Fall ist die Stunde der Experten gekommen. Suchen Sie sich jemanden, der den für sie fremden Bereich besser kennt als Sie Ihre Westentasche. Heute ein sinnloser Spruch, denn wer kennt schon seine Westentasche?
Mit diesem Experten erarbeiten Sie die wichtigen Entscheidungskriterien, die Sie bei Ihrer Entscheidung berücksichtigen sollten. Der zweite Schritt ist wieder einfach: Beschaffen Sie die notwendigen Informationen, um Ihre Alternativen bezüglich Ihrer Entscheidungskriterien zu bewerten.

Und was ist mit den Alternativen?

Für die Alternativen sollten sie sich durchaus Zeit nehmen. Über dieses Thema werde ich aber bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag schreiben.

Volle Kontrolle

© Dieter Beselt - FOTOLIA

Nächste Woche begleite ich einen Kunden zu Vertragsverhandlungen.

Was hat da ein Entscheidungserfolg Coach zu suchen?

Verhandlungen sind nicht anderes als Entscheidungen, die mehrere Parteien zusammen vereinbaren. Also ganz fehl bin ich dabei nicht am Platz. 🙂

Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, wer gute Entscheidungen treffen will, der muss wissen, was er will. Wie sieht das wohl bei Vertragsverhandlungen aus?

Stellen Sie sich vor, Sie haben für sich herausgefunden, welche Bedingungen für Sie ideal sind. Bei Ihren Verhandlungen treffen Sie auf einen Partner, der nach dem Motto „schau’n mer mal“ gekommen ist. Wer glauben Sie, wird nach den Verhandlungen den Champagner stiften? 😎

Wenn Sie allerdings mit jemanden zu tun haben, der seinen Job ernst nimmt, wird es wohl nicht ganz so leicht. Außer die Vertragsparteien ergänzen sich so gut, dass sie auf Kompromisse verzichten können.

Damit Sie genau wissen, was Sie wollen, sollten Sie mehrere Fragen für sich klären:

  1. Was ist das Ziel?
  2. Warum führe ich die Verhandlungen? -> Wie erreiche ich, dass…?
  3. Was sind erwünschte Ergebnisse?
  4. Was sind unerwünschte Ergebnisse?
  5. Was sind meine Status quo Ergebnisse (was ist gut an der heutigen Situation und sollte bewahrt werden)?

Die letzten drei Fragen nenne ich auch die „Kontrollelemente einer Entscheidung“. Denn wenn Sie wissen, was Sie erreichen wollen, was Sie vermeiden wollen und was vom Status quo erhalten bleiben soll, wird Sie niemand über den Tisch ziehen können.

Für erfolgreiche Verhandlungen reicht das natürlich nicht. Denn Sie müssen wissen, was Ihnen davon besonders wichtig ist und wo Sie möglicherweise Kompromisse eingehen können.

Was glauben Sie, welche fünf Fragen ich meinem Kunden als Hausaufgabe mitgegeben habe? 😛

Mut bei Entscheidungen

© Dmitry Abezgauz - FOTOLIA

„Für die richtige Entscheidung braucht es Mut!“

Hat mir letztens ein Verkäufer in einem Elektronik-Fachgeschäft gesagt. Dieser Satz gibt mir zu denken. Er kommt aus der Kiste, die uns unsere Eltern für unser Leben mitgeben. Es stellt sich nur die Frage, ist er nützlich oder nicht?

Wenn ich an die Entscheidungs-Situationen meiner Kunden denke, dann sind sehr viele nicht ganz einfache Entscheidungen dabei. Oftmals geht es um sehr viel Geld. Brauche ich da Mut, um mit den großen Zahlen umzugehen?

Es ist ja nicht so, dass ein kleiner Unternehmer, der im Jahr vielleicht 30.000 € oder 40.000 € verdient plötzlich über Millionenbeträge entscheidet. Zumindest die Unternehmer, die ich kenne sind da hinein gewachsen.

Brauche ich Mut, wenn ich genau weiß, was ich erreichen will, um mich für die am besten geeignete Alternative zu entscheiden?

Ich glaube nicht.

Also, packen wir den Spruch in die Mottenkiste, wo er hingehört!
Aber vielleicht kennen Sie einen Blickwinkel, den ich dabei übersehe?