Entscheidungen im Schlaf treffen

image Bevor wir uns beschweren, sollen wir zunächst eine Nacht darüber schlafen. So eine alte Preußische Offiziersregel. Sie scheint sinnvoll zu sein. Denn als ich vor vielen Jahren meinen Wehrdienst ableistete, galt diese Regel immer noch.

Der Wissenschaftstheoretiker Karl Popper sagt dazu: “Wenn wir ein Verhalten langfristig beobachten können, muss es rational sein.” (rationale Rekonstruktion).

Erst einmal abkühlen

Die grundsätzliche Idee dahinter: Wenn wir uns gerade ärgern, können wir keinen guten Entscheidungen treffen. Vielleicht verstehen wir am nächsten Tag die Handlungsweise des anderen besser, über den wir uns beschweren wollten.

Auch der Volksmund empfiehlt Bei Entscheidungen, erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen. Wenn uns Emotionen wie Ärger, Wut oder Angst überfluten dürfte das unseren Entscheidungen nicht förderlich sein. Da ist es sicher empfehlenswert, zunächst einmal Abstand zu schaffen.

Das fleißige Unterbewusstsein

Im Schlaf arbeitet unser Unterbewusstsein allerdings auch an Problemen weiter. So empfehlen viele Mentaltrainer, Stift und Papier am Bett zu haben, weil wir nach dem Aufwachen oft Lösungen um Kopf haben, die kurz darauf wieder verschwinden.

Voraussetzung für diese Lösung im Schlaf ist allerdings, dass wir mit der Erwartung ins Bett gehen, sie am nächsten Morgen zu brauchen. Sonst passiert nichts. Aber das kennen wir ja. Wenn wir unseren Mitarbeitern eine Aufgabe nicht delegieren, dann wird sie  auch nicht bearbeitet.

Für eine gute Entscheidung müssen wir wissen, was wir wollen und wir brauchen die passenden Alternativen dazu. Doch manchmal ist die Kombination aus Entscheidungskriterien und Alternativen so komplex, dass es schwer fällt, die beste Entscheidung herauszuarbeiten.

In diesem Fall könnte das Unterbewusstsein für uns alle wichtigen Informationen im Schlaf verarbeiten und uns beim Aufwachen mit einer Lösung beglücken.

Ich schreibe hier “könnte”, weil es keinen Automatismus dafür gibt. In der einen Situation klappt es, während der Entscheider beim nächsten Mal nur erfrischt und ohne Lösung aufsteht. 😮

Weniger ist bedeutend leichter

Die Preußische Idee war es, die Anzahl der Beschwerden zu reduzieren. Bei unseren Entscheidungen sollten wir den Kern dahinter sehen.

Oft versuchen wir möglichst viele Entscheidungskriterien zu definieren. Fragen wir uns dann aber, was davon wirklich wichtig ist, sind es meistens fünf Merkmale, auf deren Grundlage wir entscheiden können.

Fünf Kriterien lassen sich allerdings sehr gut von unserem Wachbewusstsein verarbeiten. Schwierig wird es nur bei Gruppenentscheidungen. Denn hier definiert jeder seinen Bedarf anders und das führt zur Inflation von Entscheidungskriterien.

Vorsicht vor zu viel Entscheidungskriterien

Ich stelle immer wieder fest, je besser der Entscheider weiß, was er will, desto weniger Kriterien braucht er für seine Entscheidung. Das klingt paradox. Doch ist eine große Anzahl von Entscheidungskriterien oft nur der Tatsache geschuldet, dass der Entscheider Angst hat, etwas zu übersehen.

Wer allerdings ein klares Bild seiner Zukunft in sich herumträgt, kennt diese Angst nicht.

Also: Wenn die Entscheidung schwierig wird, sollten wir erst einmal überprüfen, ob wir wirklich wissen, was wir wollen.

2 Kommentare
  1. Fritz Horsthemke
    Fritz Horsthemke sagte:

    Ich glaube an den Schlaf :-). Unser Unbewusstes über nimmt dann viele Suchprozesse und erzeugt eventuell neue Sichtweisen. Um Neues herauszufinden, ist es auch eine Methode sich mit einem Thema intensiv zu beschäftigen, bis man alles Wesentliche hat. Damit legt man sich ins Bett. Am nächsten Morgen sieht die Welt anders aus und eventuell hat man eine Lösung. Möglicherweise ist der Ärger gar keiner mehr.

    Schönen Gruß
    Fritz Horsthemke

    P.S.: Habe mir ihren Entscheidertest mal angetan. Fand ich gut gemacht. Werde ich mal aufgreifen.

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