Volle Kraft voraus!

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„Was muss denn alles in einer unternehmerischen Vision enthalten sein?“

Diese Frage bekomme ich immer wieder gestellt. Darin schwingt die Befürchtung mit, dass es wie in der Schule nur eine richtige Lösung gibt.

In der Vergangenheit bin ich dabei so vorgegangen, dass wir alles aufgenommen haben, was der Unternehmer sich vorstellen kann. Das führt dazu, dass jeder seine individuelle Vision hat. Bei dem einen sind finanzielle Ziele enthalten, beim anderen mehr Ziele der persönlichen Fortentwicklung durch den Aufbau des Unternehmens.

Wichtig ist nur, dass die unternehmerische Vision für ihren Schöpfer motivierend ist und er sich vorstellen kann, wie er sie umsetzt.

Vielleicht denken Sie jetzt, kein Problem, meine Vision ist der große Lottogewinn und meine Umsetzung ist der Kauf eines Lottoscheins. 😛

So soll es natürlich nicht laufen. Die Umsetzung darf fordernd sein, aber Sie muss weitestgehend im Kontrollbereich des visionären Unternehmers liegen. Wenn Sie z.B. der innovativste Betrieb in Ihrer Branche sein wollen, dann sollten Sie sich vielleicht überlegen, wie Sie sich im Bereich Innovationsmanagement weiterbilden können und dafür terminierte Teilziele in Ihrem Umsetzungsplan festlegen.

Eine unternehmerische Vision geht zwangsläufig nur bis zum Rand Ihres Vorstellungsvermögens. Das macht aber nichts, denn auch so haben Sie Ihre Richtung. Im Laufe der Umsetzung erweitert sich auch Ihre Vorstellungsvermögen und Sie erweitern und konkretisieren Ihre Vision.

Struktur einer unternehmerischen Vision

Manchmal ist es vielleicht schwierig, eine Vision ohne eine Struktur zu bilden. Daher habe ich Ihnen hier eine Struktur-Mindmap beigelegt. 🙂

Virales Offline-Marketing – geht das denn?

© Maksim Shmeljov - FOTOLIA

Virales Marketing, das haben wir inzwischen gelernt, funktioniert bestens online im Internet. Heute verschicken tausende von Nutzern Links auf virale Videos mit meist witzigem Inhalt, wer bei einem Freemailer sein E-Mail-Konto hat, schickt mit jeder E-Mail eine virale Botschaft an seine eigenen Kontakte, da eine kleine Signatur auf den kostenfreien Service hinweist.

Was vor Jahren bei Hotmail für eine lawinenartige Ausweitung der Nutzer geführt hat, ist längst ein alter Hut. Deshalb war Google mit seinem Googlemail etwas geschickter. In den ersten Jahren konnten sich zunächst nur Nutzer anmelden, die zuvor von einem anderen Nutzer eingeladen worden waren.

Paradoxerweise handelten diese teilweise die Einladungen zu dem kostenfreien Service bei Ebay für bis zu 10 $ das Stück! Gar kein schlechter Deal, wenn man bedenkt, dass ein Googlemail-Nutzer bis zu 50 Einladungen aussprechen konnte. Vor wenigen Tagen hat Google seinen Dienst aber allgemein frei gegeben. Denn inzwischen gibt es wohl so viele Nutzer, dass auch genügend Einladungen zur Verfügung stehen 🙂

Als Unternehmer stelle ich mir gerne Fragen. Die Antworten darauf bringen mir neue Ideen. Und neue Ideen bringen neues Geschäft 🙂 Nachdem mein Blog mir viele Leser, gute Positionierungen bei Google-Suchen und regelmäßige Coaching-Anfragen gebracht hat, bin ich von viralen Medien mehr als überzeugt. Ganz nebenbei: Ein Blog ist ein virales Medium, kann man auch bei Martin Oetting lernen 🙂

Meine Schlüsselfrage: Virales Marketing, geht das denn auch offline?

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Aus Entscheidungen lernen

© Florea Marius Catalin - FOTOLIA

Wir kennen das alle. Während eines Tages kommen tausend Dinge auf uns zu. Dabei treffen wir eine Entscheidung nach der anderen, ohne dass uns das richtig bewusst wird.

Danach müssten alle Unternehmer, Selbständige und Manager Entscheidungsprofis sein. Für den einen oder anderen trifft das durchaus zu.

Ich treffe allerdings auch viele Menschen, die sich eher als „Unerfahrene“ bezeichnen würden.

Wie kommt das?

Wir tendieren dazu, das tägliche Einerlei als Grundrauschen abzutun und uns auf die besonderen Ereignisse zu konzentrieren. Ein Manager trifft vielleicht täglich Entscheidungen „blind“, die im Einzelfall nur wenige hundert Euro umfassen. Über den Tag summiert sich das auf vielleicht 3.000 Euro. Allerdings gibt es einmal im Jahr eine Einzelinvestition über bis zu 40.000 Euro, die er natürlich nicht allein trifft. Wegen der schieren Höhe des Betrags investieren wir uns bei dieser Entscheidung logischerweise viel mehr als bei unserem täglichen Kleinkram. Zudem müssen wir unsere Entscheidung gegenüber anderen vertreten können. So kommt es, dass wir alles sorgfältig dokumentieren. Wenn es später schief geht, dann können wir zurückverfolgen, wo wir in unserer Einschätzung falsch gelegen haben und daraus lernen 🙂

Stellen wir uns einmal vor, unser Manager ist 10 Jahre im Beruf. In den ersten Jahren durfte er nur kleinere Entscheidungen treffen. Aber seit fünf Jahren traut man ihm mehr zu und so darf er eben aus über größere Dinge mitentscheiden. Mit anderen Worten, er hat vielleicht fünf Mal eine gut dokumentierte Entscheidung in seinem Leben getroffen und vermutlich um die 20.000 Entscheidungen „blind“, die er niemals dokumentiert hat und aus denen er daher auch nichts lernen konnte.

Ganz davon abgesehen, dass die vielen kleinen Entscheidungen Auswirkungen haben, die die wenigen großen Entscheidungen nicht einmal Ansatzweise erreichen dürften, geht für unseren Manager eine Riesenchance verloren.

Stellen Sie sich vor, was Sie aus 20.000 Einzelentscheidungen lernen könnten, wenn Sie diese so treffen würden, dass Sie später immer zurückverfolgen könnten, woran es gelegen hat!

Ich müsste mir ganz sicher ein neues Arbeitsfeld suchen 😛

Jetzt werden Sie vielleicht sagen, dass Ihr Alltag es nicht zulässt, jede Entscheidung zu dokumentieren. Erfahrungsgemäß sind es aber gerade die vielen kleinen Fehlentscheidungen, die uns am Ende viel Zeit kosten. Daher würde ich dieses Argument nicht akzeptieren. Zumal sie nicht wirklich viel notieren müssen, um eine Entscheidung zu dokumentieren.

Hier mein Dokutipp für kleine Entscheidungen:

  1. Ziel der Entscheidung
  2. Entscheidungsauslöser (Problem/Chance)
  3. Ihre Entscheidungskriterien (gewichtet)
  4. Alternativen
  5. Entscheidung und kurze Begründung

Das Ganze kostet mich gerade einmal 10 Minuten! Aber stellen Sie sich vor, was Sie gewinnen.

Also, lassen Sie uns unsere Entscheidungserfahrung vertausendfachen 😛

Ich will mehr!

© Franz Pfluegl - FOTOLIA

„Ich will mehr!“ Das könnte der Ruf eines Unternehmers sein, der mit seinen Entscheidungsalternativen noch nicht ganz glücklich ist.

Leider sehen das nicht alle so. Oft treffe ich Entscheider in argen Nöten, die ihre Entscheidung immer weiter hinauszögern, weil die Alternativen so bescheiden 🙂 sind. Die Verzögerung tut der Sache im Regelfall nicht gut, denn wenn z.B. Kunden wegen Qualitätsmängeln den Vertrag kündigen oder sogar vor Gericht ziehen, ist Zeit ein Luxus, den wir als Unternehmer nicht haben.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen die Entscheidung schwer fällt, weil die Alternativen sich eher wie die Wahl zwischen einer Wurzelbehandlung beim Zahnarzt und einer „Elektroschocktherapie“ bei einem 3. Welt-Geheimdienst verhalten, sollten Sie bessere Alternativen entwickeln.

Es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall. Die Alternativen sind gut, aber der Entscheider glaubt, dass es noch bessere Möglichkeiten geben muss. Wir wissen ja, das Bessere ist der Feind des Guten 🙂

Theoretisch können wir unendlich an unseren Alternativen basteln und wir werden immer noch was besseres finden können. Wie ich immer wieder feststelle, macht die Jagd danach auch süchtig. 😎
An einem bestimmten Punkt muss es allerdings heißen: Jetzt ist es genug!

Diesen Punkt definiere ich bereits lange vorher. Ich weiß ja, was ich will. Daher kann ich auch sagen, wie eine Alternative beschaffen sein muss, damit sie gut genug ist. Es wird immer bessere Alternativen geben, wenn ich nur hart genug daran arbeite, allerdings muss ich irgendwann meine Entscheidung auf den Weg bringen. Daher sorge ich dafür, dass ich mindestens drei Alternativen habe, die gut genug erscheinen. Wenn mir dann noch weitere einfallen ist das schön, aber ich werde keine Wochen für immer bessere Alternativen investieren, um dann festzustellen, dass meine unternehmerischen Chancen in der Zwischenzeit vertan sind.

Allerdings sollten Sie sich nach der Alternativen-Schöpfung noch Zeit für die Optimierung der einzelnen Alternativen nehmen. Darüber schreibe aber an einem anderen Tag 🙂

Piechs Powerplay

© Dirk Püschel - FOTOLIAVor einigen Tagen noch war Dr.-Ing. e. h. Bernd Pischetsrieder für mich der Entscheider der Woche. Inzwischen hat sich der Pulverdampf gelegt und Napoleons Piechs Truppen besetzen den Schauplatz.

Man könnte meinen, hier handelt es sich um einen gelungenen Coup. Ein Aufsichtsratschef demontiert einen unglücklich agierenden Chefmanager und installiert einen Mann seines Vertrauens.

So kann man es sehen, aber die Paranoiker unter uns sehen ein ganz anderes Bild. Hier versucht Napoleon Piech mit aller Macht eine Urzelle der genialen Schöpferkraft von Ferdinand Porsche ins familiäre Reich Vermögen zurückzuholen. So zumindest ein FAZ-Net Spezial. Danach ist Porsche derzeit dabei, seinen Aktien-Anteil am VW-Konzern auf 29,9% auszubauen. Dies schreckt nach einem möglichen Fall des VW-Gesetzes auch weiterhin feindliche Übernahmen effektiv ab, da niemand an dem Porsche Placet vorbeikäme. Laut FAZ-Net spekulieren weitere Beobachter damit, dass Porsche seinen Anteil dann sogar auf über 30 Prozent erhöhen könnte. Dann müsste der erfolgreiche Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen den übrigen Aktionären eine Abfindungsangebot machen und Volkswagen übernehmen.

Ergebnis: Der ganze Laden aus Porsche und VW wäre dann vollständig unter der Kontrolle der beiden Familien Piech und Porsche.

Merken Sie etwas? Genau, Porsche ist ein Fliege auf einem Elefanten, wenn man die beiden Unternehmen vergleicht. Wie konnte es passieren, dass so ein kleines Unternehmen in der Lage ist, einen Giganten der Automobilbranche zu kaufen?

Quelle: http://www.volkswagen-ir.de/

Klare Antwort: Das Missmanagement der Piech, Hartz und Konsorten-Ära. Während Porsche eine wahre Ertragsperle ist und von Rekordergebnis zu Rekordergebnis gestürmt ist, machte der Automobilriese eine andere Entwicklung durch.

In dem Kurs-Chart lässt sich die Aktienkursentwicklung der VW-Vorzugsaktien über die letzten zehn Jahre verfolgen. Das Jahr 2000 markiert den Einstieg von Bernd Pischetsrieder als Vorstandsvorsitzenden. Zuvor war Ferdinand Piech am Ruder. Extrem interessant: Der Aktienkurs ist seit 2002 geradezu explodiert und eine evtl. Übernahme schon wieder relativ teuer.

Was würde wohl ein Paranoiker jetzt denken, wenn er davon ausgeht, dass Piech VW unbedingt unter die familiäre Kontrolle bringen möchte? Ein Schuft, der Böses dabei denkt! 🙂

Alles gesunder Menschenverstand, oder?

Am Dienstag hatten wir in Hanau die Abschlussveranstaltung der diesjährigen Sternstunden für Unternehmer. Nach meinem Vortrag meinte ein junger Unternehmer:“Gute Entscheidungen, dafür braucht es doch nur den gesunden Menschenverstand, oder?“

Im ersten Moment wollte ich ihm zustimmen, ließ es dann aber, weil einige sehr gerne genutzten Entscheidungsmethoden, wie z.B. Pro-und Contra(Vorteil-Nachteil)-Methode bereits Entscheidungsfallen enthalten. Dies geht so weit, dass ich mittlererweile keine Methode mehr empfehle, sondern lieber die drei „entscheidenden“ Fragen in den Vordergrund stelle:

  1. Wie erziele ich Entscheidungsklarheit?
  2. Wie schaffe ich attraktive Entscheidungsalternativen?
  3. Wie sichere ich mir die größtmögliche Unterstützung für die Umsetzung meiner Entscheidungen?

Wer diese drei Fragen problemlos klären kann, wird zweifellos eine gute Entscheidung treffen.

Natürlich sehe ich hinter den Fragen jeweils eine Vorgehensweise, aber wenn der Entscheider selbst weiß, wie er z.B. zu guten Entscheidungsalternativen kommt, die seinem Bedarf (Entscheidungsklarheit) weitestgehend oder sogar genau entsprechen, braucht es keine große Methodik 🙂

In diesem Rahmen stimmt es also, gesunder Menschenverstand ist die „Mutter aller guter Entscheidungen“ (oder der Vater?) 😛

Leider gibt es keinen Kurs an der Schule, der uns rechtzeitig beibringt, wie gute Entscheidungen entstehen sollten. Daher stelle ich immer wieder fest, dass viele Menschen sich ihre eigene Art zu entscheiden angeeignet haben.

So gibt es z.B. die „Vereinfacher“, die am liebsten nur zwischen zwei verschiedenen Alternativen wählen (Wahllosfalle!), weil sie bei zu vielen Alternativen den Überblick verlieren 😮

Oder die „Spicker“, die zuerst mögliche Alternativen ansehen, bevor sie ihre eigenen Entscheidungskriterien (ihren Bedarf) festlegen können (Angebotsfalle!).

Davor schützt keine der oft in der Wissenschaft entwickelten Entscheidungsmethoden. Für die Betroffenen ist es gesunder Menschenverstand, der sie so handeln läßt. Weil gesunder Menschenverstand Sie dorthin geführt hat. Denn letztlich ist es ja ökonomisch, sich Arbeit zu sparen. 😮
Ich denke, gesunder Menschenverstand ist durchaus der Schlüssel für gute Entscheidungen, aber er darf nicht einseitig sein. Also entscheiden Sie am besten nach Ihrem gesunden Menschenverstand, aber prüfen Sie zuvor, ob es tatsächlich ökonomisch ist, sich die Dinge zu einfach zu machen 😐

Halten Sie sich bitte nicht an die Regeln

Gestern bei der Sternstunde für Unternehmer in Rüsselsheim:

Unternehmer: „Herr Lietz, das waren zwar spannende Vorträge, aber ich glaube, dass diese Strategien nicht mehr funktionieren“.

Ich: “ Wenn Sie das glauben, dann wird das bei Ihnen vermutlich stimmen. Können Sie da noch etwas konkreter werden?“

Unternehmer: „Ich meine z.B. die großen Ausschreibungen in Europa zu den kommunalen Bauprojekten. Dort müssen Sie in einer ganz bestimmten Form die Ausschreibung bearbeiten und es steht ausdrücklich dabei, dass man nichts hinzufügen darf. Wer über die Auschreibung befindet, findet man nicht heraus und der Entscheidungsprozess ist auch nicht öffentlich. Nur am Ende erfährt man, dass man nicht den Zuschlag bekommen hat“.

An dem Abend hatten wir u.a. Vorträge über Marketingmaßnahmen, um systematisch Nachfrage zu schaffen, über Networking und über „unverwechselbar und authentisch“ sein.

Ich glaube daher schon, dass es Strategien gibt, die in diesem Fall funktionieren. Wenn Sie auch ein Unternehmer sind, der an solchen Ausschreibungen teilnimmt, dann haben Sie ein Problem. Das Ausschreibungsverfahren versucht alle Angebote gleich zu machen. Wir alle wissen, dass dies nicht die Realität ist. Jedes Unternehmen ist anders geführt und wird daher auch unterschiedliche Ergebnisse produzieren. Wenn Sie sich auf die Vorgaben des Ausschreibers einlassen, dann können Sie das eigentlich nur tun, wenn Sie dem Ausschreiber als Unternehmer bereits aus eigener Anschauung gut bekannt sind.

Ansonsten können Sie natürlich den niedrigsten Preis bieten. Allerdings wissen Sie und ich, es gibt immer ein Unternehmen, das noch verzweifelter ist als Sie 😮 und wird Sie unterbieten.

Also könnte es eine gute Strategie sein, gegen die Regeln zu verstoßen! Aber auch das bitte strategisch. Denn Sie wollen ja auffallen und den Eindruck erwecken, dass Ihr Angebot unabhängig vom Preis das beste ist. Daher werden Sie im Bereich Ihrer Stärken gegen die Regeln verstoßen.

Nehmen wir an, Sie haben Ihre Stärke im Risikomanagement solcher Großprojekte. Dann würde es sich anbieten, dass Sie der Ausschreibung beifügen, welche Risiken Sie für die Umsetzung entdecken konnten. Zusätzlich zeigen Sie auf, welche Ansätze Sie zu Risikovermeidung sehen.

Damit gefährden Sie nicht die Vergleichbarkeit der Standardleistungen. Aber derjenige, der die Ausschreibung bearbeitet kann an diesem Thema schlecht vorbei. Insbesondere, wenn Sie Aspekte aufdecken können, die niemand in der Ausschreibung vorher gesehen hat.

Ist das eine Garantie dafür, dass Sie den Zuschlag bekommen? Absolut nein, aber Sie erhöhen Ihre Chancen nachhaltig und bringen Ihr Unternehmen nicht in Gefahr, ein Projekt zu einem zu niedrigen Preis durchführen zu müssen.

Schauen Sie sich die guten Unternehmer in unserem Land an. Keiner von Ihnen hält sich an „die Regeln“. Regeln sind für Angestellte, Unternehmer müssen neue Wege gehen und die haben nichts mit Regeln zu tun 🙂

Der Alleskönner – der große Fluch

KassandraruferAuf einer Veranstaltung für Unternehmer:

„Hallo Herr (BEEEP), freut mich Sie kennen zu lernen!“

„Ebenso Herr Lietz. Das mit den Entscheidungsfallen ist wirklich interessant, darüber werde ich mir Gedanken machen.“

An dieser Stelle geht das Gespräch in das übliche „gutes Essen, gute Voträge, etc.“ über. Nach einiger Zeit frage ich:

„Was machen Sie denn beruflich Herr (BEEEP)“?

„Ich arbeite gerade im Hochenergiebereich als selbständiger Ingenieur. Aber eigentlich habe ich davor 10 Jahre als leitender Entwickler für einen großen internationalen Erntemaschinen-Hersteller gearbeitet. Das war aber eigentlich mehr Personalentwicklung.“

„Ah ja und Sie wollen jetzt im Hochenergiebereich Ihre Brötchen verdienen“?

„Aber nein, das mache ich nur, weil ich dort gleich einen Auftrag bekommen konnte und der läuft auch bald aus. Eigentlich kann ich ja viel mehr, ich bin auch ein recht guter Software-Entwickler und kann hocheffiziente Weiterbildungs-Programme für Entwicklungsabteilungen aufstellen. Nebenbei habe ich auch schon ein Buch über ZEN-Gärten veröffentlicht“.

„Es ist schön, dass Sie so vielseitig talentiert sind. Wenn ich Sie jetzt fragen würde, wessen Probleme Sie besonders gut lösen können, wer wäre das“?

„Na ja, eigentlich fast jedes Unternehmen, das irgendwelche Probleme zu lösen hat. Ich weiß, ich müßte das viel klarer fassen, aber es fällt mir schwer! Ich will ja kein Hansdampf in allen Gassen sein, aber ich kann nun einmal so viel.“

Ich finde es immer wieder hochinteressant. Unsere Gesellschaft produziert aufgrund ihrer Flexibilität immer mehr multiqualifizierte Selbständige und Unternehmer. Natürlich gefällt sich jeder in der Rolle des Alleskönners. Vergleichen wir jedoch den Spezialisten mit diesen Alleskönnern, wird schnell klar, dass der zweite dem ersten nicht das Wasser reichen kann.

Wie sagt der Angelsachse:“ Jack of all trades, master of none“. Ich denke, es fehlt hier oft an der klaren Entscheidung: „Ich spezialisiere mich auf das Thema X“. Das würde Klarheit schaffen und häufig auch Kundeninteresse.

Auf der anderen Seite haben die Alleskönner oft Angst, sich auf das Falsche zu fokussieren und damit evtl. zu scheitern.

Was bedeutet das für den Unentschiedenen? Er kann keine unternehmerische Vision bilden, denn er weiß ja nicht, was er will. Gleichzeitig lähmt ihn die Visionslosigkeit in seinen Entscheidungen – ein Teufelskreis!

Was können Sie tun, wenn Sie auch zu diesen Alleskönnern gehören? Finden Sie zunächst heraus, was Ihr Mission ist, also der Auftrag, den Sie mit Ihrem Leben erfüllen wollen. Z.B. mein Auftrag ist es, dafür zu sorgen, dass es mehr und bessere Unternehmer in Deutschland gibt. Das ist zwar nicht bescheiden, aber ich weiß, dass ich mit jedem Arbeitstag meine Mission erfülle – ein gutes Gefühl!

Wenn Sie Ihre Mission kennen, dann haben Sie einen wichtigen Schritt gemacht. Denn alles, was nicht dazu dient, Ihre Mission zu erfüllen können Sie getrost von der Liste der Dinge, zu denen Sie fähig sind streichen.

Was übrig bleibt, sind all die Dinge, die Ihnen täglich etwas geben. Wenn Sie Glück haben, dann zeichnet sich dadurch für Sie schon ein Bild ab, welchen Nutzen Sie für Ihre Kunden bieten.

Auf diesen Nutzen bauchen Sie dann Ihre Vision auf. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn Sie aufgrund dieses Nutzens ein sehr gefragter Unternehmer sind. Wie sieht dann Ihr Arbeitsalltag aus? Was werden Sie selbst tun, was werden andere für Sie tun? Welche Produkte bieten Sie an und wie entwickelt sich Ihr Unternehmen?

Was bringt Ihnen das? Was gibt Ihnen eine Mission und die dazu gehörige Mission?
Ein Wort: Klarheit!

Stellen Sie sich vor, Sie können aus dieser Klarheit heraus handeln und Entscheidungen treffen. Wie wird sich dann Ihr Leben verändern? Lassen Sie sich von einem ehemaligen Alleskönner-Kollegen versichern: Es fühlt sich so gut an! Ich habe das vor einigen Jahren für mich getan und es hat mein Leben total verändert 🙂

Tun Sie es am besten noch heute, denn alles andere ist verschwendete Lebenszeit! 😮

Visionslos Entscheiden?

ZweifelIch treffe in letzter Zeit häufig auf Unternehmer, die sich sehr schwer tun, ihre unternehmerische Vision in Worte zu fassen.

Was ist passiert?

Viele dieser Unternehmer sind mit einem großen Traum gestartet. Entweder von großartigem Service, herausragender Qualität oder einfach einem faszinierendem Produkt. Da ist die Unternehmer-Vision bereits eingebaut. 🙂

Mit der Zeit hat der Unternehmer viele Widerstände überwinden müssen oder ist ihnen aus dem Weg gegangen. Manche Vision ist auch Wirklichkeit geworden und das Tagesgeschäft geht weiter.

Kurz: Die Vision ist einfach verloren gegangen.

Jeder Unternehmer sollte von Zeit zu Zeit seine Vision überprüfen und an neue Erkenntnisse und Realitäten anpassen. Denn wenn die ursprüngliche Vision aus dem Blickfeld verschwunden ist, hat dieses Bild meist auch keine Bedeutung mehr für den Unternehmer. Dann muss er eine völlig neue Vision schaffen.

Nur was vorher automatisch ging fällt jetzt unendlich schwer. Immer wieder gern werde ich mit Worthülsen aus dem aktuellen Firmenkatalog bombardiert. Auf die Frage, was dies dem Unternehmer bedeutet sind viele ehrlich und sagen „nichts“. 😮

Ich spreche hier auch ausdrücklich von einer Unternehmervision und nicht einer Unternehmensvision. Unternehmen sind Organisationen und können selbst keine Vision haben.

Was es für viele so schwer macht ist die Vorstellung, sie müßten eine Vision der Perfektion haben.

Wenn es Ihnen so geht, erinnern Sie sich doch an Ihre Kindheit. Als Sie Ihre Sandburgen im Sandkasten gebaut haben, da werden Sie sich nicht mit der Vorstellung von Perfektion belastet haben. Sie haben sie einfach gebaut, weil der Sand da war.

Danach haben sie mit ihr gespielt und festgestellt, was Ihnen fehlt und das dann entsprechend ergänzt und nachgebaut.

Genauso können Sie beim Bau Ihrer Vision vorgehen. Stellen Sie sich Ihr Unternehmen in zehn Jahren vor, wie Sie es gerne hätten. Und dann stellen Sie sich vor, wie Ihr Tag in diesem Unternehmen aussieht, wie Sie die neuesten Zahlen studieren, mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern über das Unternehmen reden. Stellen Sie sich vor, Sie sprechen auf einem Kongress über Ihre wichtigsten Produkte. Mit anderen Worten: Spielen Sie Ihr Unternehmen, wie es nach Ihrer unperfekten Vorstellung sein könnte.

Was Ihnen dann noch nicht gefällt ändern Sie, was Ihnen fehlt ergänzen Sie.

Voilá Sie haben eine Vision. Dieses Bild müssen Sie lediglich noch in Worte fassen oder Sie finden wie eine Kundin von mir ein Sinnbild, dass diese Vision ganz persönlich für sie wiedergibt.

Wie komme ich eigentlich auf das Thema Vision? Wer gute Entscheidungen treffen will, der muss das im Einklang mit seiner Unternehmervision tun.

Mit anderen Worten: Ohne Vision keine guten Entscheidungen

Dem Fehler auf der Spur

Marcel Widmer mit seinem Joblog ist immer wieder eine wahre Inspiration. Er beschäftigt sich in seinem Blog mit der Frage, wie wir aus Fehlern lernen können.
Sehr spannend sind seine drei Grundsätze für eine konstruktive Weiterentwicklung:

  1. Suchen Sie Herausforderungen, in denen Sie interessante Fehler machen können.
  2. Haben Sie die Weisheit (und Cleverness), diese Fehler als Ihre eigenen anzuerkennen.
  3. Seien Sie mutig und wagen Sie dann die Veränderung.

Als Unternehmer können Sie Punkt 1 mühelos mit Ihren Entscheidungen abdecken. Allerdings kann es dann bei Punkt 2 und 3 durchaus zu Problemen kommen.
Viele Entscheidungen entfalten Ihre Wirkung erst nach einiger Zeit. Daher empfehle ich jede wichtige Entscheidung schriftlich auszuarbeiten und ansonsten eine Art Logbuch zu führen, wo Sie alle die lästigen kleinen operativen Entscheidungen zumindest einmal vermerken.

Nur dann haben Sie später noch einmal die Chance, daraus zu lernen.

Am Ende seines Artikels stellt JobBlog eine Checkliste des Autors Scott Berkun, die ich für Sie hier einmal kurz übersetze, weil sie mir sehr gut gefällt:

  • Lernen ist nur dann möglich, wenn Sie ihre Verantwortung akzeptieren können
  • Verwechseln Sie nicht, das „Fehler machen“ mit dem „der Fehler sein“
  • Ihre Fehler können Sie nicht mehr ändern, aber Sie können entscheiden, wie Sie damit umgehen
  • Ihr persönliches Wachstum hängt davon ab, dass Sie sehen, wo Sie die Dinge verbessern können.
  • Arbeiten Sie daran, zu verstehen, warum es passiert ist und was die beteiligten Faktoren dafür waren.
  • Welche Informationen hätten den Fehler verhindert?
  • Welche vielen kleinen Fehler führten zu dem großen Fehler?
  • Gibt es Alternativen, die Sie nicht beachtet haben, aber wichtig gewesen wären?
  • Was müssen Sie verändern, damit dieser Fehler nicht mehr auftritt? Welche Veränderungen fallen Ihnen dabei persönlich schwer?
  • Wenn Sie wieder in die gleiche Situation kämen, was müßten/würden Sie anders machen?
  • Arbeiten Sie so lange daran, den Fehler zu verstehen, bis er Ihnen selbst schon lächerlich vorkommt (und Sie auch niemanden mehr erwürgen wollen, der sich über Ihren Fehler lustig macht)
  • Vermeiden Sie die Überkompensation: Die nächste Situation wird bestimmt nicht genauso sein, wie die letzte.

Via JobBlog