Soll Google zerschlagen werden?

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Eine Studie der TU Graz hat die „Bedrohung der Menschheit“ ausgemacht. Es ist Google. Durch seine markbeherrschende Stellung würde das Unternehmen so viele Daten über uns G-Net-Nutzer (G-Net wurde früher als das Internet bezeichnet) sammeln, dass es die sog. Privatsphäre auf den Müllhaufen der Geschichte entsorgen würde. So weit die drastischen Schlüsse aus dem Forschungsbericht der Grazer Wissenschaftler.

Ist das neu?

Tatsächlich gibt es ja  bereits zahlreiche Initiativen, wie z.B. bei Basic Thinking, die sich an dem Machtmißbrauch des Suchgiganten reiben. Die Forscher sehen allerdings die Hauptbedrohung darin, dass wir zu einer Copy und Paste Gesellschaft verkommen (von Gutenberg zum Google-Universum) und Google uns in Zukunft sagen wird, was die Realität ist.

Gegenmaßnahmen

Abhilfe soll die Förderung von Spezialisuchmaschinensansätzen von Handwerk bis Medizin bringen und kartellrechtliche Verfahren, um Google in seiner „Macht“ zu beschneiden.

Genau die gleiche Studie hätte vor 7 Jahren über Microsoft erscheinen können. Ein Großteil unserer Arbeitszeit am Rechner wird durch die Programme dieses Software-Herstellers bestimmt. Auch wenn es von Seiten Microsofts Verfehlungen und Machtmißbrauch gegeben hat, so haben diese nicht zum Untergang unserer Kultur geführt.

Ein wenig lächerlich kommt es mir auch vor, dass über die Studie Fördergelder für Spezialsuchmaschinen locker gemacht werden sollen. Da stellt sich doch die Frage, wer hier mit wem zusammen arbeitet? Google ist im Internet sicher derzeit die bestimmende Kraft. Doch diese Macht wäre sofort verloren, wenn die Nutzer Google nicht mehr mögen. Denn Alternativen gibt es genug. Ansonsten wird inzwischen jede einzelne Akquisition des Unternehmens durch die Kartellbehörden untersucht.

Normalität der Giganten

Ich denke, wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass es im Bereich der Software und seit einigen Jahren der Internet-Services aufgrund der sehr niedrigen Expansionskosten immer zu gigantischen Unternehmen kommen wird. Und ich behaupte, wie wollen es nicht anders. Oder wer von Ihnen wüßte nicht gern in diesem Augenblick, welches Unternehmen das nächste Micro-Google-Intel sein wird?

via Heise

4 Kommentare
  1. Joachim Zischke
    Joachim Zischke sagte:

    Wo ist das Problem? Martkbeherrschende Unternehmen gab es schon immer und wird es immer geben. Wenn Unternehmen, wie im Falle einer US-amerikanischen Telefongesellschaft, in viele kleine zerschlagen werden, so entsteht häufig nur eine Hydra daraus, noch wirkungsvoller, noch einnehmender.

    Früher war ich auch der Meinung, dass das Sammeln von Informationen bedrohlich werden könnte. Heute habe ich erkannt: Je mehr Informationen wir haben, umso weniger wissen wir wirklich. Es wird zudem zunehmend schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich, Informationen überhaupt zu sichten, zu identifizieren und zu bewerten. Also lassen wir Google & Co doch sammeln, so viel sie wollen: Es wird eh niemand mehr interessieren.

    Wir sind auf dem besten Wege Infonomaden zu werden. 😉

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  2. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz sagte:

    Ganz so undramatisch ist es nicht.

    Ein Beispiel: Heute fassen Customer Relationship Management-Systeme die Kunden eines Unternehmens zu Grundprofilen zusammen, um sie mit relevanten Angeboten ansprechen zu können.

    Man stelle sich vor, unabhängig von der jeweiligen Individualität des Einzelnen würde Google einen zukünftig zu bestimmten Meta-Profilen zugehörig erklären. Kunden von Google würden dann nicht die Einzeldaten von Google kaufen, sondern lediglich die Info, dass Herr Zischke dem Profil der individualistischen Vorwärtsdenker zuzurechnen ist. 😎

    Zu den Kunden von Google gehört dann vielleicht auch ein Geheimdienst, der sich die Meinung gebildet hat, dass gerade dieses Profil subversiv sein soll. 😯

    Von dem Zeitpunkt an werden Sie mittels eines Trojaners überwacht. Und wir wissen ja, man kann so unschuldig sein wie man will, vor böswilliger Interpretation ist man nie sicher… 😮

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  3. Joachim Zischke
    Joachim Zischke sagte:

    individualistischer VorwärtsdenkerWow! Das gefällt mir. Werde darüber etwas mehr nachdenken. Klingt viel besser als Querdenker … 😉

    Ich will in keine unendliche Diskussion abdriften, nur so viel: Orwells Visionen werden (traurige) Wirklichkeit. So wie Laserpistolen längst nicht mehr Science fiction sind, so wird die Technik es möglich machen, jeden einzelnen unserer Lebensschritte, gesellschaftlicher wie auch finanzieller Art, zu verfolgen, zu protokollieren und Muster daraus abzuleiten. Ob die Sammler Google, Microsoft oder GFK heissen, ist unwichtig.

    Macht braucht nun einmal als Grundvoraussetzung Kontrolle. Und die wird sich der Staat in dem Masse aneignen, wie die technischen Möglichkeiten wachsen.

    „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!“
    Aber wie gelangen wir zu den Tätigkeitswörtern?
    Stanislaw Jerzy Lec

    🙁

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