Warum Entscheider jonglieren sollten

imageMeine Blogger-Kollegin Gitte Härter verwendet in Unternehmenskick eine schöne Metapher. Wer Seilspringen erlernen will macht ähnliche Erfahrungen, wie ein Unternehmensgründer.

Ich selbst habe vor einigen Jahren das Jong­lieren gelernt. Das Prinzip, wie es funktionieren muss, hatte ich schnell ver­stan­den. Doch mein Körper wollte nicht so, wie ich das wollte.

Verstehen ist nicht alles

Zudem gab es noch das eine oder andere zu lernen. Zum Beispiel kommt es beim Jonglieren so gut wie gar nicht aufs Fangen an. Viel wichtiger ist der Wurf. Denn landet der in der Raumecke, müsste selbst Manuel Neuer kapitulieren. Die Würfe müssen so exakt sein, dass der Ball fast direkt in der anderen Hand landet.

Da drängt sich der Vergleich mit Entscheidungen geradezu auf. Wir müssen wissen, wo uns unsere Entscheidung hin führen soll. Die Alternative, die wir dann suchen, sollte uns so nah wie möglich daran heranführen.

Zeitmangel ist die Folge schlechter Entscheidungen

Schlechte Entscheidungen verursachen uns oft später so viel mühevolle Konsequenzen in der Umsetzung, wie der besagte Ball, der in die Ecke fliegt. Zeitmangel hat oft etwas damit zu tun, dass wir Entscheidungen wieder einfangen müssen, die völlig daneben gegangen sind.

Das Werfen der Jonglierbälle habe ich zunächst mit einem und zwei Bällen geübt. Dabei kommt natürlich kein Fluss zustande. Wurf links, Wurf rechts, fangen, fangen, Wurf rechts, Wurf links, fangen, fangen und so weiter.

Loslassen ist das Schwerste

Irgendwann nach einigen Wochen(!) sind meine Würfe so exakt gewesen, dass ich meine Hände kaum bewegen musste, um die Bälle wieder aufzufangen.

Zeit für einen dritten Ball! Idealerweise haben wir ja ständig mindestens zwei Bälle in der Luft. Aber zum Start, ruhen zwei Bälle in einer Hand und der dritte Ball in der anderen Hand.

Was ausgesprochen viel Überwindung kostete, war den dritten Ball zu werfen, nachdem schon zwei in der Luft waren. Ich konnte einfach nicht loslassen.

Eine lange Geschichte

Kennen wir das nicht auch von der einen oder anderen Entscheidung? Seit Jahren wissen wir, dass wir in einem Job arbeiten, der uns keinen Sinn und keine Erfüllung bietet. Erst haben wir noch gehofft, dass sich das irgendwann ändern würde. Und dann haben wir lange gezögert, weil wir nicht das Erreichte einfach wegwerfen wollten.

Irgendwann wird uns aber klar, dass wir nur diese eine Leben haben. Wir müssen für uns einfach das Beste daraus machen. Und das ist der Moment, in dem wir den Ball loslassen und bereit sind neue Alternativen in Betracht zu ziehen.

Unternehmer und Manager kennen das vielleicht, wenn sie sich von einem langjährigen Mitarbeiter oder Lieferanten trennen müssen.

In Sekundenbruchteilen

Tony Robbins sagt, Veränderung geschieht in einem Sekundenbruchteil. Wir selbst brauchen nur so lange, bis wir soweit sind. Andererseits könnten man sich auch fragen, warum wir so lange damit warten, wenn wir es am Ende doch tun werden?

Daran denke ich gerne, wenn ich heute die Bälle durch die Luft wirbeln lasse und jeder Ball nur einen Sekundenbruchteil in meiner Hand verweilt.

Meine Vorbereitung

Ich selbst hätte nie gedacht, dass ich eines Tages einmal jonglieren würde. Heute mache ich es regelmäßig vor Vorträgen und  Coachings. Ich kann nicht sagen, was dabei mit mir passiert, aber ich habe danach das gewisse Extra. Und darauf kommt es für mich an.

Haben Sie es auch schon einmal ausprobiert?

4 Kommentare
  1. Tobias Thiel
    Tobias Thiel sagte:

    Interessante Analogie zwischen Jonglieren und Entscheidungen.

    Es stimmt, viel wichtiger ist der Wurf, auf den sollte man sich konzentrieren – bei einem guten Wurf wird das Fangen zur Nebensache. Allerdings kann gutes Fangen ebenfalls helfen, da man schlechte Würfe „retten“ kann. Das merkt man sehr deutlich vor allem wenn man zu zweit jongliert (passing). Zwei Anfänger schaffen nur ein paar Würfe, wenn jedoch ein besserer Jongleur dabei ist (der sich nicht mehr so sehr auf sich selbst konzentrieren muss und Fangen in unterschiedlichsten Positionen gewohnt ist), kann dieser die schlechten Würfe fangen und so das Gesamtmuster stabilisieren.

    Die Hemmung beim 3. Wurf bemerke ich ebenfalls regelmäßig bei meinen Jonglierkurs-Teilnehmern. Selbst wenn die Entscheidung an sich für den 3. Ball gefallen ist, scheitert es oftmals an der inneren Kopf-Blockade.

    Da der Körper nach einem guten Training mit zwei Bällen bereits besser weiß wie es mit 3 Bällen funktioniert als der Kopf es für möglich hält, muss man versuchen den Kopf abzulenken – dafür hilft oftmals lautes zählen oder mitsprechen:
    Gehirn ausschalten, laut bis 3 Zählen und bei jeder Zahl ABWERFEN: 1-2-3 (rechts-links-rechts) – fertig!

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  2. Petra Schuseil
    Petra Schuseil sagte:

    Hallo Herr Kollege, schöne Bildchen malen Sie zu Ihren interessanten Artikeln. Ich werde Sie gerne auf meiner Blogroll präsentieren. Es gibt eine schöne Genius-Aussage … der Genius ist unser Leitmotiv, das uns schon ein Lebenlang begleitet: Bälle jonglieren …. das können einige Menschen sehr gut und das ist auch gut so. Ich habe philosophiert über Gummitwist und Selbständigkeit … da sind ganz neue Gedanken aufgetaucht … über das Lebenstempo mit Gummitwist denke ich auch nochmal nach. Herzliche Grüße aus Frankfurt in den nahen Taunus. Petra Schuseil

    Gummitwist und Selbständigkeit … lesen Sie mal http://wp.me/pk19q-1u0

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  3. Kai-Jürgen Lietz
    Kai-Jürgen Lietz sagte:

    Vielen Dank Frau Schuseil! Für Lob bin ich sehr empfänglich 🙂 Vielleicht treffen wir uns ja mal in Frankfurt.

    @Tobias Thiel: Danke für den Einblick in die Sicht eines Jonglier-Profis.

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  1. […] ins Thema gehüpft … eine Lieblingsbeschäftigung aus Kindheitstagen. Mein Blog-Kollege Kai-Jürgen Lietz vom Entscheider-Blog hat den Gedanken aufgegriffen und über das Jonglieren philosophiert. Es gibt übrigens eine […]

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