Falsche Selbsteinschätzung

Daumen hoch

»Heben Sie Ihre Hand, wenn Sie sich für einen schlechten Entscheider halten!« ich stelle diese Frage gerne in meinen Vorträgen. Vertrauen wir den Fakten, dürfte sich keiner melden. Denn solange alles mit unserem Gehirn stimmt, sind wir natürliche Entscheider. Wir treffen jeden Tag rund 20.000 Entscheidungen. Trotzdem misstrauen sich einige Menschen und heben die Hand. In der Regel merke ich mir zwei oder drei der Zweifler und frage sie später, warum sie das glauben.

Die Antwort finde ich bedrückend. Denn es ist fast immer dieselbe. »Ich kann mich oft nicht entscheiden.« Für mich ist das weniger ein Mangel, als eine große Stärke. Denn wenn wir über den Tag tausende Entscheidungen unbewusst treffen und an der einen oder anderen Stelle zögern, liegt es ganz offensichtlich nicht an unserer Entscheidungsfähigkeit.

Stattdessen fehlt es dem Entscheider entweder an der Klarheit, was er in dieser Situation tatsächlich will oder es fehlt an der passenden Alternative, den Willen umzusetzen. Beides sind gute Gründe, die Entscheidung nicht zu treffen. Meiner Erfahrung nach haben andere Menschen einfach eine größere Toleranz, Entscheidungen zu treffen, auch wenn es an Klarheit oder attraktiven Alternativen fehlt. Sie ignorieren ihre inneren Warnsignale.

Angenommen ein Zögerer gibt den Irrglauben auf, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung sei und arbeitet stattdessen an seiner Klarheit und an besseren Alternativen. Wer trifft dann die besseren Entscheidungen?

Mensch

Der Menschliche Faktor

Mensch

“Es ist Zeit für eine vernünftige Entscheidung!” Raul Cassa*, der Vorstandsvorsitzende ist die ewigen Diskussionen leid. Seine Kollegen nerven ihn. Er braucht jetzt eine Entscheidung, egal ob es Bedenken gibt oder nicht. Die Feiglinge werden sich ohnehin nicht gegen ihn stellen.

Auch wenn nicht jeder von uns ein Unternehmen leitet, können wir Rauls Qualen nachempfinden. Denn solche Diskussionen gibt es überall, ob in der Familie, dem Verein, im Team oder einfach beim Selbstgespräch. Die Entscheidung setzt dem ein Ende. Sie ist die Erlösung.

Leider macht uns in diesem Moment der menschliche Faktor einen Strich durch die Rechnung. Denn Raul ist genervt. Ohne es zu merken, wird er in diesem Zustand andere Entscheidungen treffen, als wenn er entspannt bei einer Tasse Kaffee an seinem Schreibtisch sitzt.

Starke Emotionen verändern unseren Bewertungsmaßstab. Dazu muss ich noch nicht einmal eine der zahlreichen wissenschaftlichen Studien darüber zitieren. Jeder hat schon einmal erlebt, wie er mit der richtigen Wut im Bauch die falschen Entscheidungen seines Lebens getroffen hat.

Emotionen genießen in unserem Hirn einen Bestandsschutz. Sobald sich ein bestimmtes Gefühl durchgesetzt hat, sei es Wut, Frustration, Hoffnungslosigkeit(!) oder Liebe, verarbeiten wir Informationen nur noch einseitig. Alles was der Emotion widerspricht, wird nicht mehr verarbeitet. Vielleicht kennen Sie das auch? Sie haben eine Stinkwut auf jemanden. Selbst wenn der andere zu Ihnen kommt und erklärt, warum er so und nicht anders handeln konnte, macht Sie das nur noch wütender. Denn anstatt die Argumente zu prüfen, kommt bei Ihnen nur an, dass der andere Sie manipulieren will. Einige Stunden später ist Ihr Zorn verraucht. Da trifft Sie die Erkenntnis wie ein Donnerschlag: Sie haben dem anderen unrecht getan. Diese Phase der eingeschränkten Informationsverarbeitung ist von der Evolution so gewollt. Sie können nichts dafür.

Raul sollte daher lieber die Entscheidung vertagen. “Ich denke, wir haben jetzt alle Argumente gehört. Darüber möchte ich noch einmal in aller Ruhe nachdenken. Wir treffen uns am Freitag. Da werden wir dann über unsere Entscheidung abstimmen!”

In der Zwischenzeit wird er wieder sein gewohntes Selbst sein. Das sichert zwar auch keine “vernünftige” Entscheidung, aber eine zu der er auch langfristig stehen kann.

Was denken Sie? Könnte es Ihre Entscheidungen nachhaltiger machen, wenn Sie auf eine emotional ruhige Phase warten, um sie zu treffen?

*Name geändert
remote control

Warum einfach manchmal einfach zu wenig ist

remote control

Unser Fernseher erteilt uns jeden Tag eine Lektion in Sachen Entscheidungen. Am Fernsehprogramm liegt es nicht.

“Streaming hat mein Leben verändert!” So der begeisterte Kommentar eines Freundes, der sich sein Fernsehprogramm selbst zusammenstellt. Doch das kann ungeahnte Probleme schaffen.

Wie gut kommen Sie mit der Fernbedienung Ihres Fernsehers zurecht? Auf so eine Frage weiß man nicht, was man antworten soll. Auf diesem schwarzen Plastikbalken befinden sich so viele Tasten. Es ist ein Wunder, dass die Menschheit überhaupt fern sieht.

Wir haben Glück. Denn die Natur hat uns mit einer großartigen Gabe ausgestattet. Wir können das Wichtige vom Unwichtigen trennen. Innerhalb kürzester Zeit lernen wir, wie sich der Fernseher ein- und ausschalten lässt, wie wir die Sender wechseln und die Lautstärke verändern. Danach wird es mau. Die meisten anderen Tasten sind tabu, weil man nicht so recht weiß, was sich dahinter verbirgt. Mir geht es manchmal so, dass ich aus versehen etwas drücke und dann so im Unbekannten festhänge, dass ich nur wieder herauskomme, indem ich den TV ausschalte. Auf optionale Funktionen können wir gut verzichten.

Unser Umgang mit der Fernbedienung ist unserem Leben gar nicht unähnlich. Wir vereinfachen alles auf das Wesentliche. Das ist nützlich für schnelle Entscheidungen. Wir blenden alle nicht wichtigen Handlungsalternativen aus. Wie bei der Fernbedienung verzichten wir auf überflüssige Optionen.

Mein aktueller Fernseher hat allerdings einige Funktionen, die das 13 Jahre alte Gerät zuvor nicht kannte. Ich könnte daran meine E-Mails lesen, ich könnte skypen, ins Internet gehen, mir meine Musiksammlung von meinem Hausserver anhören und vieles andere mehr. Für all das gibt es viele neue Tasten. Die meisten davon meide ich.

Unser Fernseher steht im Wohnzimmer. Da kommen Veränderungen nur mit neuer Technik ins Haus. Unser Leben dagegen bringt uns ständig in neue Situationen. Jedes Mal hätten wir unendlich viele Handlungsalternativen. Doch wir sehen sie nicht.

Wir sehen nur den Ein- und Ausschalter, die Senderwahl und die Lautstärke. Es funktioniert. Wir kommen zurecht. Aber genügt das? Wie sehen Sie das? Genügt es Ihnen, nur zurecht zu kommen oder wird es nicht vielleicht Zeit, einen genauen Blick auf die vielen Optionen zu werfen, die wir in der Vergangenheit nicht gesehen haben?

Es könnte Ihr Leben verändern!

Freiheit

Freiheitsgrade des Rückgrats

Freiheit

Freiheit ist ein Gut, das uns ausschließlich durch seine Abwesenheit auffällt. Was hier so gedrechselt daherkommt, ist in Ländern wie Nord-Korea, dem Iran oder Weißrussland schmerzliche Realität. Spätestens seit der Wende gibt es auch hierzulande dagegen für Freiheitskämpfer keine aktuellen Jobangebote.

Eine freiheitliche Grundordnung bedeutet allerdings nicht, dass wir tatsächlich frei sind. Wir haben auch die Freiheit, unfrei zu sein. Wie viele Menschen diese Freiheit zur Unfreiheit wohl in Anspruch nehmen? Wer kann das wissen? Allerdings weiß ich, dass ich mich auch gerne selbst beschränke. Zum Beispiel scheue ich mich davor, einen potenziellen Kunden durch Akquiseanrufe zu stören.

Vertriebsprofis raten mir dann schon einmal: “Davon müssen Sie sich frei machen!” Ja, Skrupel sind echte Spielverderber! Es gibt da ein spannendes Buch über Psychopathen und was wir von ihnen lernen können. Psychopathen machen sich von einschränkenden persönlichen Skrupeln frei. Sollten wir dann psychopathischer sein, um frei zu sein?

Viele bewundern Menschen, die sie sich über die üblichen Skrupel hinwegsetzen. Ein gutes Beispiel dafür ist Wladimir Putin. Seine kompromisslose Haltung hat ihm hierzulande viele Fans eingebracht. Das mag stimmen, gleichzeitig machen uns Skrupel auch liebenswert. Was in einer Erfolgsgesellschaft oft als Makel gilt, verleiht uns doch eigentlich unseren Charakter.

Ich gebe es zu. Oft bin ich einfach nur ein Schisshase. Aber es sind auch meine Werte, die mich einschränken. Was nützte es mir, wenn ich meine Werte ignoriere? Was hat Martin Luther King in seiner I-have-a-dream-Rede gesagt? Er wünscht sich, dass seine Kinder eines Tages am Inhalt ihres Charakters gemessen werden und sie nicht nach der Farbe ihrer Haut bewertet werden. Analog wünsche ich mir, dass wir an unserem Charakter und nicht am Grad der Freiheit gemessen werden, die wir uns herausnehmen.

Wie sehen andere das? Ich habe keine Ahnung. Aber wie heißt es so schön? “Liebe kannst Du nicht kaufen.” Charakter auch nicht.

Wo aber bleibt dann unsere Freiheit, wenn der Charakter sie einschränkt? Freiheit ist unendlich. Nur weil wir das eine oder andere nicht machen wollen, zum Beispiel potenzielle Kunden stören, bedeutet es nicht, dass wir nicht trotzdem unsere Ziele erreichen.

Der direkte Weg mag vielleicht nicht frei sein, aber es gibt unendlich viele andere Wege zum Ziel. Wir müssen sie nur für uns entdecken. Zum Beispiel könnte es ja sein, dass sie jetzt diesen Beitrag lesen, weil er Sie interessiert. Sie haben den Entscheiderblog.de aus freien Stücken geöffnet. Möglicherweise finden Sie die Ideen hier so spannend, dass Sie mich für einen Vortrag in Ihrem Unternehmen buchen? Das mag ein indirekter Weg sein, aber er macht uns beiden bedeutend mehr Spaß, als wenn ich Sie bei einem wichtigen Gedanken im Büro störe.

Lässt sich ein Gelenk unabhängig voneinander in unterschiedliche Richtungen drehen, spricht man in der Technik von Freiheitsgraden. Wir selbst bestimmen durch unseren Charakter, wie viel Freiheitsgrade wir uns selbst geben. Wenn wir Charakter meinen, sprechen wir im Alltag gerne auch vom “Rückgrat“.

Wie viele Freiheitsgrade soll Ihr Rückgrat haben? Die Freiheit “nehm ich mir” und denke hin und wieder darüber nach. Wie in diesem Artikel. 🙂

Puzzleteil

Das Puzzle

Puzzleteil

Philipp Lahm sagte einmal sinngemäß: Er ist lieber der Gestalter seines Lebens, als sich von der Entscheidung einholen zu lassen. Damit begründete er seinen Ausstieg aus der Nationalmannschaft nach der gewonnenen Fußballweltmeisterschaft.

Als ich diesen Satz das erste Mal las, schämte ich mich. Ich kenne den Bayernspieler nicht persönlich. Dennoch hätte ich ihm diesen Satz nicht zugetraut. Wir sehen einen Menschen in der Öffentlichkeit, kennen seinen Beruf und schon haben wir eine Meinung über ihn. Hier bin ich also meinem Vorurteil aufgesessen.

Lahms Erkenntnis deckt sich mit meinen Beobachtungen. Manche Entscheider scheinen an einem großen Puzzle zu arbeiten. Sie können ihre Entscheidungen nicht schnell genug treffen, um ihr Bild nach und nach zusammenzusetzen. Das sind die Gestalter, die Philipp Lahm vermutlich meint.

Andere Entscheider werden dagegen immer wieder von Entscheidungen eingeholt. Unter  Druck und Zwang treffen sie dann eine Wahl, mit der niemand zufrieden wäre. Sie ist den widrigen Bedingungen geschuldet, die sie selbst geschaffen oder zumindest zugelassen haben.

Wenn wir ein Puzzle zusammensetzen, wollen wir damit aus vielen kleinen Einzelteilen ein großes Bild erschaffen: Das Bild, das wir uns zuvor von der Zukunft gemacht haben.

Welcher Entscheider wollen wir sein? Diese Frage beantworten wir entweder mit einem großen Zukunftsbild oder mit dem Mangel eines solchen. Es ist unsere Entscheidung.

 

Mit Vorsatz frustriert

Dem Vorsatz folgt die Entwicklung

Mit Vorsatz frustriert

Die Erfahrung lehrt uns, dass die meisten Vorsätze bereits in den ersten Tagen des Jahres dem Leben zum Opfer fallen. Die Tasse Kaffee, die Sie morgens nicht mehr trinken wollten? Ja, das war leider nicht umsetzbar, weil sie zu müde waren, um überhaupt daran zu denken. Der morgendliche Workout? Na, wenn Sie dazu in der Lage gewesen wären, dann hätte Sie vermutlich auch keine Tasse Kaffee gebraucht, oder? Andere Menschen ausreden lassen? Haben Sie echt versucht, aber warum können sich die Menschen um Sie herum partout nicht kurz fassen? Vielleicht sollten die weniger Kaffee trinken? Egal! Wir haben es versucht und es geht nicht. Warum sich also jeden Tag aufs Neue frustrieren?

Wem es so geht, weiß sich auf der Seite der Mehrheit. Eigentlich geht es fast jedem so. Vorsätze sind leicht gefasst. Wir sind motiviert, aber unsere Gewohnheiten sind stärker. Vielleicht haben Sie schon einige Tipps gelesen, wie Sie mit Ihren Vorsätzen erfolgreicher sein können. Einer ist besonders wirksam. Seien wir nachsichtig mit uns! Denn mit größter Sicherheit werden wir gegen die meisten unserer guten Vorsätze verstoßen. Das ist jedoch kein Grund, sie aufzugeben.

Japanisch in einem Tag

Nehmen wir einmal an, Sie wollten eine neue Sprache lernen. Vielleicht etwas Exotisches, wie Japanisch. Gleich in der ersten Woche treffen Sie durch Zufall einen Japaner. Doch mehr als die korrekte Begrüßung ist nicht drin. Den Rest Ihrer Unterhaltung bestreiten Sie in Englisch. Denn natürlich müssen Sie erst die Grundlagen der Sprache und die Vokabeln lernen. Würden Sie sich im Anschluss an das Treffen Vorwürfe machen, weil Sie Ihre Unterhaltung nicht auf Japanisch geführt haben?

Gewohnheiten verlernen

Alte Gewohnheiten sind hartnäckig. Wer sie durch neue, bessere Gewohnheiten ersetzen will, sollte sich Zeit geben. Es ist wie mit dem Japanischen. Wir müssen üben, bevor wir uns eines Tages flüssig in der Sprache unterhalten. Jeder Versuch zählt. Jedes Mal, wenn wir die neue Gewohnheit in die Tag umsetzen, dürfen wir uns selbst feiern.

Unser erster erfolgreich umgesetzter Vorsatz könnte sein, nicht mehr von Vorsätzen zu sprechen. Denn eigentlich formulieren wir “Entwicklungsziele”. Ich finde, das trifft es besser als mit Vorsatz zu scheitern. Meinen Sie nicht auch?

Der Zwang des Alltäglichen

Schloss und Kette»Ich wusste, dass es falsch war.« »Warum haben Sie es dann getan?« »Was glauben Sie, wäre passiert, wenn ich mich geweigert hätte?«

Hast Du das auch schon einmal erlebt? Du hast keine andere Wahl und deshalb tust Du das Falsche?

Mir ist es schon oft so gegangen. Es war falsch, aber ich musste es tun. Weil ich damals meinen Job nicht verlieren wollte oder weil ich den Auftrag brauchte oder weil ich meine Familie nicht enttäuschen wollte. Es gibt so viele Gründe, warum ich nicht frei war, das Richtige zu tun.

Freiheit ist unverschämt

Aber ist das wirklich wahr? Gibt es wirklich etwas, was wir tun müssten? Wer zwingt uns dazu? Wenn ich mir mal wieder einreden möchte, dass ich keine andere Wahl habe, denke ich daran, wie sehr ich Menschen immer bewundert habe, die sich davon frei machen können. Die nicht fremdbestimmt, sondern absolut selbstbestimmt sind. Mit Bewunderung, meine ich natürlich, dass ich sie gehasst habe. Ich habe sie beneidet für ihre unverschämte Freiheit. Eine Freiheit, die ich mir inzwischen auch hin und wieder gönne.

Der Preis der Freiheit

Es ist nur eine Frage des Preises. Welchen Preis bin ich bereit für meine Freiheit zu zahlen? Bin ich bereit, meine Arbeit zu verlieren? Bin ich bereit, auf den Auftrag zu verzichten? Bin ich bereit, den Respekt meiner Familie zu verlieren? Mitunter kann der Preis von Freiheit und Selbstbestimmung sehr hoch ausfallen.

Das ist natürlich die falsche Perspektive. Denn für Selbstbestimmung zahlen wir keinen Preis. Sie ist nur mit etwas anderem untrennbar verbunden. Selbstbestimmung und Selbstverantwortung sind die beiden Seiten der Münze der Freiheit. Was sagt das über mich aus, wenn ich ich für die Selbstverantwortung nicht bereit bin? Diese Frage hat mir vor ein paar Jahren die Augen geöffnet.

Grenzen der Freiheit

Aber wie weit kann Selbstbestimmung gehen? Wie selbstbestimmt kann ich zum Beispiel sein, wenn mir in einem Bürgerkriegsgebiet einer seine Waffe an die Schläfe hält und von mir etwas verlangt, was ich nicht tun möchte? Mein Leben mag nicht der Preis sein, aber die Konsequenz meiner Freiheit könnte der Tot sein. Doch wen interessiert dann Freiheit noch?

Die Antwort haben einige wenige Menschen in der Geschichte gegeben. Sie sind so selten, dass wir sie nicht vergessen. Es sind Märtyrer. Menschen, die bereit waren, in den Tod zu gehen, nur um das Richtige zu tun. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir das richtig finden müssen. Wichtig ist allein, dass sie das tun konnten, was ihnen wichtig war.Das ist Freiheit, die Spuren hinterlässt.

Seelige Unwissenheit

Menschen wie ich taugen nicht zum Märtyrer. Aber solange mein Leben nicht bedroht wird, ist mir Selbstbestimmung wichtig. Denn was nutzt es mir, wenn ich wüsste, was die richtige Entscheidung ist, wenn ich aus persönlicher Unfreiheit etwas ganz anderes tue? Das ist schlimmer, als es gar nicht zu wissen.

Wenn Dir das Thema Selbstbestimmung auch wichtig ist, kannst Du Dich am 3. Juni 2014 ab 19:00 in Bad Homburg bei Entscheidend Besser! VI inspirieren lassen. Unter dem Fokus “Mach Geschichte” habe ich wieder drei spannende Referenten nach Bad Homburg eingeladen. Mehr dazu erfährst Du unter http://entscheidend-besser.de.

Entscheidend Besser!
Mach Geschichte!
3. Juni 2014, ab 19:00 Uhr
im Kurhaus Bad Homburg

Klare Lösungen

Wer genau weiß, was er will, kann sich mit “normalen” Lösungen nicht zufrieden geben. Er sucht Lösungen, die nicht nur seinen aktuellen Bedarf decken. Er sucht Lösungen, die auf eine besondere Art zukunftsfähig sind. Lösungen, die ihm den Weg in die Zukunft ebenen, die sich der Entscheider vorher ausgedacht hat.

Wasserglas 3 StückDamit entsteht natürlich eine neue Herausforderung. Nach einer erfahrungsbasierten Lösung müssen wir nicht lange suchen. Wir kennen sie aus der Vergangenheit. Anforderungen, die auf unserem individuellen Zukunftsbild basieren, verlangen nach neuen Lösungen. Ein Rätsel ist ja nur deshalb ein Rätsel, weil wir die Antwort noch nicht kennen. Zwischen unseren Anforderungen und möglichen Lösungen gibt es eine Lücke, die wir selbst mit systematischem Denken nicht stopfen können.

Bei einem Rätsel suchen wir nach der richtigen Idee. Irgendwann fällt  der Groschen, manchmal aber nicht. »Hast Du einen Tipp für mich?« Das fragen wir dann gerne.

Beispiel: Es fliegt nicht, hat aber zwei Flügel. Es kann nicht liegen, hat aber einen Rücken. Es kann nicht stehen, hat aber ein Bein. Es kann nicht gehen, kann aber laufen. Was ist das?

»Hast Du einen Tipp?«

»Jeder sollte sich hin und wieder daran fassen!«

»Jetzt weiß ich es! Es ist die Nase«

Eigentlich ist das merkwürdig. Denn der Tipp ist nichts anderes als eine weitere Einschränkung. Aber weil wir damit auch den Suchraum eingrenzen – was ist so nah, dass ich es anfassen kann? –, finden wir die Lösung schneller.

Anforderungen geben unserem Gehirn also Tipps, wo es suchen soll. Je klarer die Anforderungen gefasst sind, desto eher finden wir passende Lösungen. Probieren Sie einfach einmal aus, ob Sie Ihre Anforderungen noch genauer fassen können oder sogar verschärfen können.

Zum Beispiel anstatt nur darüber nachzudenken, wie Sie alle Termine mit drei Kunden und einem Lieferanten  an einem Nachmittag in Ihrer Firma unter einen Hut kriegen sollen, bauen Sie eine Zusatzanforderung ein. »Ich möchte zwischendrin auch noch einmal in Ruhe Kaffee trinken und ein Stück Kuchen genießen!« Was sich erst einmal verrückt anhört, führte aber dazu, dass der Unternehmer mit seinen drei Kunden zusammen ein angenehmes gemeinsames Kaffeekränzchen organisierte. Bei der Gelegenheit überzeugte der begeisterte Stammkunde die beiden Neukunden, doch gleich einen langfristigen Liefervertrag abzuschließen. Die Verschärfung der Anforderung hat den Unternehmer außerhalb seiner normalen Erfahrungen (der Vergangenheit) suchen lassen.

Falls dieser Tipp nicht funktioniert, könnte es einfach daran liegen, dass die Anforderungen thematisch sehr weit auseinanderliegen. Ich hatte einmal den Fall eines Unternehmers, dessen Geschäftsführer nicht nur ein Alkoholproblem hatte, sondern auch in die Kasse langte und gleichzeitig sein ältester Freund aus Jugendtagen war. Der Unternehmer steckte in einem Dilemma. Auf der einen Seite gefährdete sein Jugendfreund als Geschäftsführer das Unternehmen, auf der anderen Seite wollte der Unternehmer dem Alkoholkranken ein guter Freund sein. Was sollte er tun? Die Lösung war einfacher als gedacht.

Manchmal hilft es, einzelne Anforderungen auszublenden, die wir später getrennt betrachten. Fragen Sie sich, »welche eine Anforderung, müsste ich wegfallen lassen, um auf Anhieb auf eine Lösung zu kommen?« Das geht meistens ganz gut. Danach schauen wir uns  die ausgeklammerte Anforderung getrennt an. Wir suchen nach Lösungen, die nur diese eine Anforderung erfüllen. Oft ergibt sich dann plötzlich die eine oder andere Idee, wie alle Anforderungen mit einer einzigen Lösung unter einen Hut passen. Unser Gehirn arbeitet oft assoziativ. Das heißt, es sucht nach Ähnlichkeiten und bildet so neue Ideen.

Die Lücken zwischen unseren Anforderungen und Lösungen können wir also durch gute Ideen schließen. Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich gefordert, dass wir das Warum hinter unserer Entscheidung, also unsere Anforderungen genau kennen sollten. Jetzt ist auch klar, was uns das bringt: zukunftsfähige Lösungen.

Bei vielen erfolgreichen Entscheidern fragen wir uns, wie sie auf ihre genialen Lösungen gekommen sind. Jetzt wissen wir, wie wenig Glück und wie viel Selbsterkenntnis dahinter steckt. Je genauer wir wissen, was wir wollen, umso schneller entwickeln wir die passenden Lösungen dafür.

Es liegt in unseren eigenen Händen, ob wir später für unsere Entscheidungen bewundert werden oder mit wie vielen Lösungen wir uns einfach nur zufrieden geben und wie viele wir in unserem eigenen Interesse neu erschaffen. Mit zukunftsfähigen Lösungen erreichen wir mehr, weil die alten Probleme erledigt sind und sich uns nicht immer wieder in den Weg stellen. Ganz zu schweigen davon, dass wir mehr Sinn und Erfüllung im Alltag erleben.

 

 

Glasklare Anforderungen

Wasserglas 2 StückMorgens geht es auf vier Beinen, mittags auf zweien und abends auf dreien. Was ist das? Für eines der ältesten Rätsel der Menschheitsgeschichte, ist die Antwort gar nicht so einfach. Der Sage nach musste jeder diese Aufgabe lösen, der an einer Sphinx vorbei wollte, ohne einen schrecklichen Tod zu erleiden. So waren sie eben, die Ägypter. Für uns heute ist die Lösung einfach, weil wir die Antwort kennen. Es ist der Mensch.

Was haben Rätsel mit Entscheidungen zu tun?

Wenn wir über unseren Bedarf, sprich unsere Anforderungen nachdenken, formulieren wir damit auch ein Rätsel. Wir nennen es nur anders. Es ist dann eine Aufgabe.

Zum Beispiel habe ich mir vor einigen Jahren einen Rechner in der Größe und dem Gewicht eines Moleskin-Notizbuchs gewünscht, in den ich direkt mit einem elektronischen Stift schreiben kann. Vorzugsweise sollte auf dem Rechner Microsoft OneNote laufen und er sollte eine kleine Ewigkeit ohne Strom auskommen. Das Nächstbeste war damals ein HP Convertible Notebook mit einem elektronischen Stift von Wacom. Leider war der Akku nach 2,5 Stunden platt. Das Ungeheuer wog etwas über 2 Kilogramm und war genauso transportabel, wie alle anderen Laptops von 2006. Mal schnell was notieren? – Undenkbar! Vom Lüftergeräusch konnte man einen Gehörsturz bekommen und auf der Rückseite hätte ich an manchen Tagen Spiegeleier braten können. Es war eine unlösbare Aufgabe – damals.

Aber die Technik entwickelt sich weiter. Vor drei Jahren kaufte ich mir ein Windows-Tablet, das mit seinem 12 Zoll Bildschirm immer noch verhältnismäßig wuchtig war, aber nur noch 980 Gramm wog und an die 4 Stunden ohne Strom aushielt. Das war besser, aber immer noch nicht gut genug. Dieser Tage bringt Asus ein neues Windows-Tablet im 8-Zoll-Format mit Wacom-Stift und lediglich 350 Gramm auf den Markt. Fazit: Aufgabe gelöst!

Bekommen wir ein Rätsel gestellt, dann erwarten wir, dass es lösbar ist. Bei unseren Entscheidungen ist das anders. Oft erfüllen mehrere Lösungen unsere Anforderungen. Manchmal gibt es nur eine Lösung und hin und wieder suchen wir die eierlegende Wollmilchsau. Letztere vorzugsweise dann, wenn wir andere dafür springen lassen können.

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Kristallklar Entscheiden

Teil I meiner Serie über Entscheidungsklarheit

Wasserglas»Liebling, bringst Du mir Taschentücher mit?« Ein einfacher Auftrag. Ich weiß genau, welche Taschentücher meine Frau kaufen würde. Ich kenne die Marke und es dürfen nur die einfachen Tücher ohne Schnickschnack sein. Später im Supermarkt brauche ich mir keine großen Gedanken zu machen.

Wenn wir ganz konkret wissen, was wir wollen, ist jede Entscheidung einfach. Daher glauben viele, dass ich mit dem Begriff Entscheidungsklarheit genau das meine: Wer ganz konkret weiß, was er will, ob es Taschentücher, Autos, ein Softwaresystem, ein Dienstleister oder der Lebenspartner ist, hat Entscheidungsklarheit. Das klingt plausibel und sie haben sogar fast recht damit.

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